Halle/Westfalen - Mehr als 50 Kinder und Jugendliche sind bei der Kollision eines Zuges mit einem Schwertransporter gestern knapp einer Katastrophe entgangen. In Halle (Westfalen) war am Morgen der Regionalexpress «Haller Willem» mit einem Schwerlaster zusammengestoßen, teilte die Polizei in Gütersloh mit. Dabei habe sich die Ladung des Transporters - zwei insgesamt 70 Tonnen schwere Stahlbetonträger - in den Zug gebohrt. Der Zug war vor allem mit Kindern besetzt.
Der 40-jährige Lokführer sei in dem völlig zerstörten Triebwagen eingeklemmt und schwer verletzt worden. Der Familienvater habe erst vier Stunden nach dem Unfall befreit werden können. Dabei musste ihm ein Teil des linken Beines amputiert werden. Dafür versetzten ihn die Ärzte in ein künstliches Koma. Die meisten Kinder kamen mit dem Schrecken davon. Der Fahrer des Sattelzuges blieb den Angaben zufolge unverletzt. «Wenn der Transporter den Zug an einer anderen Stelle getroffen hätte, wäre es zu einer Katastrophe größten Ausmaßes gekommen», sagte der Gütersloher Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU). Vier der insgesamt 55 Kinder erlitten Prellungen und Schürfwunden und wurden vorsorglich zur ambulanten Behandlung ins Krankenhaus eingeliefert. 51 Kinder mussten zunächst psychologisch betreut werden.
Der Unfall ereignete sich auf einem unbeschrankten Bahnübergang. Der 25 Meter lange Schwertransporter war in der Nacht in Paderborn gestartet und in Polizeibegleitung auf dem Weg zu einer Baustelle wenige Meter vom Unglücksort entfernt. Wegen einer Panne habe der Transporter gegen 5 Uhr kurz vor dem Bahnübergang halten müssen. Nach der Reparatur habe der 24 Jahre alte Fahrer aber nicht wie vorgeschrieben erneut die Polizei verständigt, sondern sei auf eigene Faust weiter gefahren, sagte ein Polizeisprecher. Ob der Transporter auf dem Bahnübergang erneut liegen geblieben war, blieb gestern Nachmittag noch unklar.
Für den Bundesgrenzschutz (BGS) steht fest, dass der LKW-Fahrer der Unfallverursacher ist. Der Fahrer des mit Brückenteilen beladenen Schwertransportes habe die «ihm obliegende Sorgfaltspflicht missachtet», sagte ein BGS-Sprecher. Der Bahnübergang war nur mit Warnbalken und einem Andreaskreuz gesichert. Eine Warnblinkanlage solle erst im Mai kommenden Jahres installiert werden. dpa/ddp

