Berlin - Als Märchenkönigin faszinierte sie die bunten Blätter. Sie war die Nachfolgerin von Soraya, von der der Schah sich scheiden ließ, weil sie ihm keinen Thronfolger gebären konnte. Farah Diba bekam den ersehnten Sohn und drei weitere Kinder. Erzogen nach westlichen Werten, kämpfte sie für die Gleichberechtigung der Frauen im Iran. Zugleich warf man ihr vor, mit ihrem glamourösen Auftreten von den dunklen Seiten der Schah-Herrschaft abzulenken. Reza Pahlavi hatte sein Land dem Westen geöffnet, ohne die große Schere zwischen Arm und Reich zu schließen und ohne den berüchtigten Geheimdienst nach demokratischen Maßstäben zu reformieren. Im Januar 1979 musste das Paar das Land infolge der Islamischen Revolution verlassen. 14 Monate lang irrte es umher, bis es sich in Ägypten niederlassen konnte. Dort starb der Schah kurz darauf, im Juli 1980 an Krebs. Farah Diba lebt im Exil in Paris und den USA. In Berlin ist sie wegen der Unesco-Organisation Innoncence in Danger, die gegen Kindesmissbrauch und -pornografie im Internet kämpft. Hier in Berlin saß das persische Herrscherpaar 1967 mit Bundespräsident Lübke in der Oper, als wenige Meter entfernt der Student Benno Ohnesorg bei einer Anti-Schah-Demonstration von einem Polizisten erschossen wurde.
Berliner Morgenpost: Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Aufenthalt?
Pahlavi: Ja, das tue ich. Und die Journalisten erinnern mich stets daran. Es ist eine traurige Situation. Es tut mir sehr leid um den jungen Mann. Aber es klingt für mich immer so, als machte man uns verantwortlich für die Tragödie. Wo sind die Stimmen jener, die damals demonstrierten? Sie halfen doch dem jetzigen Regime mit an die Macht. Sind sie jetzt glücklicher? Sind die Iraner glücklicher?
Fühlen Sie sich von der Vergangenheit verfolgt?
Pahlavi: Ich lebe nicht in der Vergangenheit, aber mag gern über alte Zeiten im Iran reden, das Land, die Menschen. Ich würde gern erinnern an die Rolle des Iran zu unserer Zeit in Bezug auf Frieden und Stabilität für den Rest der Welt. Und daran, was heute dort passiert.
Für wie gefährlich halten Sie den Präsidenten Ahmadinedschad?
Pahlavi: Gefährlich für beide Seiten, die Welt und unser Land. Zu unserer Zeit kostete ein Barrel Öl zwölf Dollar, heute mehr als 110 Dollar. Wenn es so viel Geld gibt, wieso leiden so viele Iraner unter Armut, Inflation und Hunger?
Vor 29 Jahren mussten Sie fliehen. Fühlen Sie sich frei?
Pahlavi: Ich will mich nicht frei fühlen. Ich kann nicht ohne den Iran leben. Jeden Tag bekomme ich Briefe und E-Mails von dort. Vor allem die jungen Leute und die Frauen erinnern dank des Internets, was sie zurückhaben wollen. Die Menschen sind unglücklich. Deswegen glaube ich daran, dass eines Tages die Wende kommt.
Aber wollen Iraner deswegen eine Monarchie zurück?
Pahlavi: Mein Sohn sagt immer, er kämpft für Freiheit, Demokratie und Unabhängigkeit. Wenn das Land befreit ist, dann ist es Sache des Volkes zu entscheiden, welche Form der Demokratie es will. Ich wäre froh, wenn im Westen mehr über das Leben im Iran berichtet würde: die Korruption, die Prostitution, der Drogenmissbrauch. Das würde die Iraner ermutigen.
Wer muss die Initiative ergreifen?
Pahlavi: Ich bewundere die iranischen Frauen. Sie sind die Achillesferse des Regimes. Sie kämpfen, denn sie haben am meisten gelitten. Sie werden misshandelt, gesteinigt, haben keine Rechte.
Woher kommt der Zwang zur Unterdrückung der Frauen?
Pahlavi: Ich kann es nicht verstehen! Als ich im Iran lebte, fühlte ich mich nie eingeschränkt, nur weil ich eine Frau war. Die Moral definierte sich nicht über die Frage, wie viel Haare oder Bein man sehen konnte. Es zeigt die Schwäche dieser Leute, wenn schon ein bisschen Haar sie aus der Fassung bringt. Heute studieren im Iran mehr Frauen als Männer, weil sie wissen, dass Bildung ihre Waffe ist. Die Regierung will jetzt Quoten einführen, um das zu unterbinden. Das zeigt wie viel Angst die Mullahs haben und zugleich ist es so verletzend!
Sind Sie den Kampf leid?
Pahlavi: Und wie! Manchmal bin ich so erschöpft. Dennoch: Ich hätte damals ja auch sagen können, okay, die Sache ist zu Ende, fertig. Neues Leben. Doch das wollte ich nicht. Wie wir sagen: Rosen haben Dornen, doch ihre Blüte zählt.

