Hamburg - Selbst große Stars sind im Ernstfall auf die Hilfe ihrer Nachbarn angewiesen. Frauenheld Dieter Bohlen zählt allerdings nicht dazu - der läuft aus Angst vor Einbrechern lieber nackt durch den Wald als in Nachbars Garten. Schauspielerin Inge Meysel jedoch braucht sich in diesen Tagen über mangelnde Nachbarschaftshilfe nicht zu beklagen: Rund um die Uhr erfährt die 92-jährige "Mutter der Nation" den Beistand Bullenhausener Bürger.

Seit Bewohner des niedersächsischen Ortes bei ihrer berühmten Nachbarin erste Anzeichen von Altersdemenz entdeckt haben wollen, ist das beschauliche Leben an den Gestaden der Elbe vollends aus den Fugen geraten: Nachbarn und Freunde schieben bei Minusgraden Wache vor Inge Meysels weißer Villa, weil sie die Rache eines ominösen, psychisch auffälligen Wunderheilers fürchten. Der Meysel-Vertraute Peter Knuth hatte den Mann, der zeitweise in der Villa wohnte und die alte Dame mit Mondwasser kurieren wollte, kurzerhand aus der Wohnung geworfen. "Jetzt habe ich Angst. Der hat mir mit Mord gedroht", sagt der 59-Jährige.

Auch Inge Meysel will den angeblichen Wunderheiler nicht mehr wieder sehen. Obwohl sie nach wie vor der Meinung ist, dass der harmlos war: "Er war nur ein paar Mal bei mir", zitiert die "Bunte" die Schauspielerin. Er sei mit ihr ins Dorf einkaufen gegangen. "Er war nicht ungezogen und hat kein Geld verlangt. Das war's."

Während Fotografen Inge Meysels Haus belagern, taucht plötzlich eine weitere ominöse Gestalt auf. Eine 62-jährige Frau klingelt am Tor und begehrt Einlass. Sie gibt sich als Psychiatrie-Schwester aus. "Mit Reiki will ich Frau Meysel beruhigen. Sie braucht jemanden, mit dem sie sprechen kann.", erläutert sie ihr Ansinnen. Inge Meysel, die sich per Sprechanlage meldet, erteilt dem ungebetenen Gast eine deutliche Abfuhr: "Ich habe Nachbarn, die mich unterstützen. Mir soll keiner helfen." Vielleicht doch. Denn jetzt hoffen ihre Freunde, dass Inge Meysels Nichte und Adoptivtochter Christiane Pollard-Meysel aus Teneriffa Ordnung in das Leben des Alt-Stars bringt.

Die 52-jährige Nichte, die bereits über eine Bankvollmacht verfügt, soll am Freitag in Bullenhausen eintreffen und eine ständige Pflegeschwester organisieren. "Inge Meysel kommt nicht ins Heim. Ich werde dafür sorgen, dass sie in ihrem Haus bleiben kann", sagt Nichte Christiane Pollard-Meysel der "Bild"-Zeitung. Inge Meysel hält auch nichts vom Heim: "Ich kann Alltagsdinge nach wie vor selber erledigen", meint die 92-Jährige.