Die Nase läuft, die Augen brennen - «Hätte ich doch im letzten Herbst mit einer Immuntherapie begonnen!», sagt sich jetzt manches Pollen-Opfer. Doch im Herbst war die Welt wieder in Ordnung, der nächste Frühling schien weit. Wem die Gesundheit lieb ist, plant jetzt bereits für kommenden Herbst oder Winter einen Besuch beim Allergologen. Denn bei jedem zweiten bis dritten Heuschnupfen-Patienten entsteht allergisches Asthma, warnt Professor Thomas Fuchs, Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen. Kathrin Ohl (ddp) sprach mit ihm über die so genannte Hyposensibilisierung.

Gegen welche Allergene hilft eine spezifische Immuntherapie?

Professor Thomas Fuchs: Vor allem wirkt sie gegen Blütenpollen von Erle, Birke, Olivenbaum, Platane, Haselstrauch, gegen Wegerich- , Beifuß- und Graspollen, gegen Tierhaare und Insekten - besonders bei Biene und Wespe, nicht aber bei der Mücke.

Wann sollte man mit einer Immuntherapie beginnen?

Wer gegen früh blühende Baumpollen allergisch ist - dazu gehören Hasel, Erle, Birke - beginnt im August. Wen Gräser plagen, startet spätestens Anfang Dezember. Sind die Auslöser Hausstaubmilben oder zum Beispiel Katzenhaare, ist es egal. Nur müsste dann die Wohnung des Patienten idealerweise katzen- und milbenfrei sein. Auch bei einer Allergie gegen Bienen- und Wespengift ist ein Therapiebeginn jederzeit möglich.

Wie lange dauert die Behandlung?

Es gibt die Langzeit- und die Kurzzeittherapie. Beide dauern drei bis vier Jahre, unterscheiden sich aber in der Länge der Einleitungsphase. Während diese bei der Langzeittherapie drei Monate dauert, erhält der Kurzzeitpatient vier bis sieben Injektionen vor der Blütezeit, macht während der Blütezeit Pause und setzt die Behandlung dann fort. Ich persönlich bevorzuge die Langzeittherapie. Aber auch die andere Form ist wirkungsvoll.

Wie hoch sind die Erfolgschancen?

Korrekt und konsequent durchgeführt liegt die Erfolgsquote bei 90 Prozent. Erste Linderung erfahren die Patienten bereits nach dem ersten Jahr. Tut sich nach dem zweiten Jahr nichts, ist zu überlegen, ob vielleicht ein Allergen übersehen oder ein falsches gegeben wurde.

Wie lange hält eine Therapie vor?

Acht bis neun Jahre. Es spricht nichts dagegen, sie zu wiederholen.

Was erwartet den Patienten bei der Behandlung?

Das Allergen wird in der Einleitungsphase einmal wöchentlich unter die Haut gespritzt - in ständig steigender Konzentration. Danach werden die Spritzintervalle bis zum Therapieende gestreckt - auf bis zu sechs Wochen. Es gibt einen weiteren therapeutischen Ansatz, die so genannte sublinguale Therapie. Hierbei muss das Allergen geschluckt werden.

Kommt es zu Nebenwirkungen?

Ja, zum Beispiel zu Schwellungen und Rötungen auf der Haut und speziell an der Einstichstelle, aber auch zu Schnupfen und Asthma.

Für wen ist diese Therapieform ungeeignet?

Für Menschen mit schweren anderen Erkrankungen - Krebspatienten und Rheumatiker zum Beispiel.