Susanna Simon

Zwischen Kindern, Küche und Karriere

Die Schauspielerin Susanna Simon dressiert im Theater Männer. Zu Hause passt sich die zweifache Mutter jedoch an

Susanna Simon ist im Grunde ihres Herzens ein vernünftiger Mensch, doch manchmal hält das Leben eben auch ein Experiment bereit. So steht die 43 Jahre alte Schauspielerin, deren Schwester die "Polizeiruf"-Kommissarin Maria Simon (36) ist, für das Stück "Der dressierte Mann" vom heutigen Sonntag bis zum 24. Juni auf der Bühne des Theaters am Kurfürstendamm. Fünf Abende die Woche. Eigentlich kein Drama, doch mit zwei kleinen Kindern und einem Ehemann, der für den Abwasch keine Zeit hat, könnte aus der Komödie auch eine Tragödie werden.

In dem Stück "Der dressierte Mann" nach dem gleichnamigen Bestseller von Esther Vilar spielt sie - neben Maria Hartmann, Ursela Monn und Michael von Aue - eine Karrierefrau, die ihrem Mann just an dem Abend, als er sie mit einem Verlobungsring überraschen will, mitteilt, dass sie ihm den Traumjob vor der Nase weggeschnappt hat.

Im wahren Leben könnte das Susanna Simon nicht passieren. Zum einen, weil ihr Mann Andreas Kuntze (47) eine Firma für Lasertechnik besitzt und die Künstlerin davon nichts versteht, aber vor allem, weil sie keine Karrierefrau ist. "Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin glücklich, wenn ich arbeite", sagt sie, aber sie genießt eben auch jeden Augenblick mit den beiden Töchtern Nastasja (8) und Helena (14 Monate). Seit ihrer Geburt wisse sie erst, was wirklich wichtig im Leben sei. Eine Erfahrung, die viele Väter vermissen würden, weil sie so viel arbeiten müssten.

Simon ist keine Emanze, aber auch kein Heimchen am Herd. Sie ist Realistin, und als solche sagt sie ganz ehrlich, dass es die größte Herausforderung ihres Lebens sei, Familie, Ehe und Karriere unter einen Hut zu bringen. "Da mein Mann nur sehr wenig Zeit für Kindererziehung und Haushalt aufbringen kann, habe ich wie selbstverständlich diese Aufgaben übernommen", erklärt sie. Der Klügere gebe eben nach, diskutiere nicht, sondern wasche das Geschirr ab und stecke sich abends selbst den Orden an.

Frustriert klingt sie dabei nicht, eher amüsiert. "Mein Rezept ist Humor", erklärt sie und fügt hinzu, dass Frauen sowieso anpassungsfähiger seien. Sie selbst musste sich oft genug anpassen. Als Tochter eines Computerexperten aus Sachsen und einer jüdischen Russin wurde sie in Kasachstan geboren. Sie wuchs zunächst bei ihrer Oma in Alma Ata auf. Als sie zwei Jahre alt war, zog die Familie nach Leipzig. "Meine erste Erinnerung ist, dass ich im Kindergarten alleine Friseur spiele, weil ich kein Wort Deutsch verstehe", sagt sie mit einem sanften sächsischen Akzent.

Als sie 15 Jahre alt ist, bekommt ihr Vater seinen Traumjob bei den UN in New York, doch die Tochter muss als Pfand in der DDR bleiben. Sie hadert nicht mit dem Schicksal, sondern nutzt die Möglichkeiten. So erstreitet sie sich ihre Freiheit, zieht mit 16 allein in die leere Wohnung der Eltern, macht Party und trotzdem ein Einser-Abitur.

Die Geburt ihrer Töchter verändert ihr Leben erneut - und Simon passt sich an. Geschickt nutzt sie die Lücken zwischen Kindern, Küche und Karriere aus. Sie stehe eben um zwei Uhr nachts auf, um den Text zu lernen, wenn tagsüber zwischen Probe und Kinderbespaßung keine Zeit dazu war. "Ich bin effizienter und effektiver geworden", sagt sie.

Eine Erfahrung, die ihrem Ehemann nun bevorsteht. Zwar könne man einen richtigen Mann nicht dressieren, sagt Susanna Simon, doch nun helfe ihr Mann während der Spielzeit doch bei der Kinderbetreuung aus. "Ist der Zwang da, funktioniert die Emanzipation dann doch", sagt Susanna Simon augenzwinkernd.