Interviews geben kann er nicht besonders gut. "Immer noch nicht", sagt Uwe Kockisch. Vielleicht flüchtet der 68-Jährige deshalb erst mal, bevor das Gespräch über seinen neuen Fall als Commissario Brunetti in "Donna Leon - Schöner Schein" (am heutigen Sonnabend, 20.15 Uhr, ARD) losgeht, zum Rauchen auf die Terrasse. Durchatmen, sammeln. Im Smalltalk landet der Schauspieler direkt bei der Familie, seiner Frau Christine Gautier, die ihn überall hin begleitet. Er wirkt zufrieden: "Wir sind wie Bonnie und Clyde, unzertrennlich, das ist ganz wunderbar."

Und er spricht über die beiden Söhne, Sascha und Sebastian, aus erster Ehe, und die mittlerweile drei Enkelkinder. Das ist ungewöhnlich für einen Star, der es nicht gern sieht, wenn Details aus seinem Privatleben bekannt werden. Und dann wieder ist es nachvollziehbar. Der in Cottbus geborene Schauspieler, der zu DDR-Zeiten viel Theater gespielt hat, macht sich noch immer Gedanken darüber, ob er genügend da war für seine Kinder, ob er das Wesentliche richtig gemacht hat.

Uwe Kockisch, dessen persönliches Zentrum sich mittlerweile in Madrid und dessen berufliche Basis sich noch immer in einer kleinen Wohnung in Berlin-Friedrichshain befindet, erzählt zufrieden von seinen Besuchen bei der Familie. "Ich finde ihre Meinungen und Beobachtungen zur Welt spannend", sagt er über seine Söhne. "Ich freue mich darüber, dass sie ihren Weg gefunden haben." Für alles verantwortlich sei er nämlich nicht. "Wir haben ja nicht immer als Familie zusammengelebt." Kockisch war in seine Arbeit am Theater vertieft. "Ich war fast ein militanter Schauspieler", gesteht er nach einigem Zögern. Seine Welt war die Kunst. Draußen, außerhalb des Theaters, dachte er, gäbe es nichts zu entdecken. Das Spiel, die Reflektion im Theater, war seine Flucht vor der Gesellschaft. "Mein Leben spielte sich auf der Bühne ab."

Unweigerlich erinnert er sich an die Wendezeit. "Die Veränderung der Gesellschaft hatte zwar keine verstörende Wirkung auf mich", erinnert er sich. Nur die neue Vielfalt habe ihm Sorge bereitet. "Ich musste mich durchkämpfen und aufpassen, dass ich nicht steckenbleibe in all den Angeboten." Immer mehr besinne er sich heute auf die Einfachheit zurück. "Die Vielfalt ist doch bloß Pappmaché und Trallala und Hopsassa, noch eine Rakete und noch ein Knall." All diesen Zirkus braucht er nicht.

Seine Erfüllung findet der Schauspieler ("Weissensee") nach wie vor bei der Arbeit, nicht in der Öffentlichkeit. "Ich versuche, durch meine Figuren meine Meinung zu sagen. Da hat sich nichts geändert", betont Uwe Kockisch. Deshalb sei die Schauspielerei, auch wenn sich seine Arbeitsbedingungen verändert hätten, weiter sein Metier.

Er selbst bleibt kritisch. "Ich hatte zwischenzeitlich ein sehr ambivalentes Verhältnis zu der Figur Brunetti", beginnt er, will aber öffentlich nichts weiter dazu sagen. Soviel Kritik aber darf sein: Brunetti habe etwas merkwürdig Altmodisches, was ihm aber auch gefällt.

Uwe Kockisch behält sich vor, weiter Einfluss auf seine Figur Brunetti, die er nun schon zum 18. Mal spielt, zu nehmen. Die Stadt Venedig, der Schauplatz seiner Krimis, könne wie einst seine Theaterbühne zur Projektionsfläche für alle wichtigen gesellschaftlichen Themen werden, hofft er. Und wirkt dann doch wieder ein wenig entmutigt: "Wir sind eine Industrie, keine freien Künstler." Einen versöhnlichen Ausblick findet er dennoch, vor allem wegen der internationalen Reichweite der erfolgreichen "Donna Leon"-Verfilmungen: "Wir laufen in Frankreich, den USA, in Spanien. Da gibt es viel positive Resonanz."