Doppel-Empfang

US-Botschafter feiert gleich zweimal im großen Stil

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass US-Botschafter Philip D. Murphy bei deutschen Politikern auch nach den Enthüllungen durch die Internetplattform Wikileaks recht hoch im Kurs steht, dann lieferten ihn die Feiern zum 235. amerikanischen Unabhängigkeitstag:

Der Amerikaner lud am Montag gleich zu zwei "Superfeten", wie der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Mißfelder feststellte - und etliche Gäste aus der Politik und Kultur kamen. Erst in die Botschaft am Pariser Platz, am Abend dann in die American Academy in Wannsee. "Philip Murphy hat nach Wikileaks eine schwere Zeit gehabt, aber das ist jetzt Geschichte. Er genießt weiter hohes Vertrauen", sagte der CDU-Außenpolitiker und JU-Vorsitzende, der sich bei Murphys Ehefrau Tammy ein Küsschen abholte.

Auch die Grünen-Politiker Jürgen Trittin und Cem Özdemir hatten sich in die Warteschlange vor der Botschaft am Pariser Platz eingereiht, um den amerikanischen Freunden beim nachmittäglichen Empfang im "Doppelpack" ihre Aufwartung zu machen. Die FDP war mit ihrem parlamentarischen Geschäftsführer Jörg van Essen und dem Berliner Bundestagsabgeordneten Martin Lindner vertreten. Jedenfalls fand der bestens aufgelegte Murphy für jeden seiner Gäste ein freundliches Wort, und mit allen wurde selbstverständlich auch ein Erinnerungsfoto gemacht - strahlendes Lächeln inklusive. Murphy war im Dezember in Erklärungsnöte geraten, nachdem Wikileaks seine geheimen Depeschen veröffentlicht hatte, in denen unter anderem Außenminister Guido Westerwelle als "inkompetent" beschrieben wurde. Doch seine daraufhin gestartete Charme-Offensive in Richtung Bundesregierung hat ihre Wirkung offensichtlich nicht verfehlt. Und überhaupt seien es "drei großartige Jahre" gewesen, die man in der neuen Botschaft seit deren Eröffnung am 4. Juli 2008 habe verbringen dürfen, wie der US-Gesandte Greg Delawie sagte. Murphy selbst überbrachte Grüße und Wünsche von Barack Obama - leider könne er nicht sagen, wann der US-Präsident wieder nach Berlin komme. "Ich weiß, dass Berlin ihn wiedersehen will." Als danach Ex-"Platters" Keith Tynes Schmachtfetzen wie "Only You" und "Smoke gets in your Eyes" anstimmte, schwelgte Ann-Katrin Bauknecht , Honorarkonsulin von Nepal, in Erinnerungen: "Diese Songs habe ich in meiner Collegezeit rauf und runter gehört."