Schauspieler Kai Schumann

"Ich will meinen Vater kennenlernen"

Kai Schumanns Auftritte sind ziemlich hormongesteuert. Im Fernsehen. In "Liebe macht sexy" verdreht er Simone Thomalla als charmanter Stripper den Kopf. In Doris Dörries "Klimawechsel" bringt er als sexsüchtiger Yogalehrer Maren Kroymann und Ulrike Kriener ins Schwitzen.

Auch bei der Kultserie "Doctor's Diary - Männer sind die beste Medizin" (Start der 3. Staffel heute, 20.15 Uhr, RTL) ist sein Spezialgebiet klar umrissen: Frauen. Als smarter Gynäkologe Mehdi Kaan buhlt er ausdauernd um die Aufmerksamkeit von Gretchen Haase (Diana Amft ).

Sein schauspielerisches Handwerk hat der 34-Jährige in Berlin gelernt, an der Ernst-Busch-Schule. Auch die Männerrolle hat sich Kai Schumann von Regisseuren abgeguckt. Und von älteren Freunden. Der Frauenschwarm aus Plauen wuchs ohne Vater auf. "Ich habe meinen Vater nie kennengelernt. Er ist Syrer, ich habe nur ein paar kleine Dias aus den 70er-Jahren", sagt Kai Schumann. Und einen Namen, den er endlich mit Leben füllen will. "Ich möchte in diesem Jahr meinen Vater kennenlernen", sagt der Schauspieler, der bisher keinerlei Kontakt zu dem Mann suchte, der vor über 30 Jahren zum Studium in die damalige DDR gekommen war, sich in seine Mutter verliebte und zurück in die Heimat gegangen war, noch bevor er, der Sohn, auf die Welt kam.

Kai Schumann wuchs lange als Einzelkind auf, mit seiner Mutter. Seinen Stiefvater akzeptierte er nie. Ein schwieriger Start ins Leben. "Du hast keine männlichen Vorbilder, an denen du dich orientieren kannst. Als Jugendlicher braucht man Maßstäbe - auch ein schlechter Vater wäre ein Richt- und Orientierungswert gewesen", so der Schauspieler. Mit 16 Jahren tauchte Kai Schumann in die linke Szene ein, fand dort und später auch bei Regisseuren während der Schauspielausbildung das, was er zu Hause vermisste: Vaterfiguren. Doch auch, wenn der Vater fehlte, die syrischen Wurzeln, sein Temperament, das war da: "Ich hatte als Jugendlicher oft das Gefühl, zu emotional zu sein." Er fühlte sich anders als die anderen, rebellierte: "Mal trug ich Glatze, mal Irokesenschnitt. Und wenn ich etwas als ungerecht empfunden habe, habe ich mich dagegen gewehrt."

Deshalb ist er auch fast aus dem Internat geflogen. "Die Mitschüler hatten angeblich Angst vor mir", erzählt Kai Schumann, der sanfte TV-Arzt mit dem Träumerblick. "Ich war nie ein Schläger, wirkte aber anscheinend zu aggressiv."

Mittlerweile ist der 34-Jährige selber Vater eines vierjährigen Sohnes, der in Hamburg lebt. Im vergangenen Jahr trennte sich Kai Schumann von seiner Ehefrau Barbara , lebt seitdem in Berlin und konzentriert sich auf seine Schauspielkarriere. "Ich bin ein großer Fan von Fatih Akin . Wenn er anfragt, würde ich alles spielen", gesteht Kai Schumann. Wirklich alles? Fast alles: "Ich will nicht nur Stichwortgeber sein." Liebhaber hingegen schon, "wenn es sich um interessante Charaktere handelt. Leider sind Männer immer öfter nur dramaturgische Erfüllungsgehilfen. Die Frauen haben die spannenden Konflikte." Da hilft nur Fantasie. "Bei der Rolle des Ronnie in ,Klimawechsel' musste ich immer an das französische Comic-Stinktier Pepe denken: ,Mon dieu, Du machst misch ganz Karussell in meine kleine Kopf'". Den Zuschauern hat es gefallen. Vor allem wohl den weiblichen? "Ich werde nicht nur von Frauen angesprochen. Es kommt auch vor, dass ein Mann mal ein Foto machen will", sagt Kai Schumann und fügt dann noch grinsend hinzu: "Wahrscheinlich für seine Liebste."