Der perfekte Moment

Das Kissen rettet die Situation. Regisseur George Lucas soll fotografiert werden, der Foto-Assistent hat die Pose bereits vorempfunden, alles gut, die Sache läuft - so lange, bis Lucas die Szenerie betritt.

Das Kissen rettet die Situation. Regisseur George Lucas soll fotografiert werden, der Foto-Assistent hat die Pose bereits vorempfunden, alles gut, die Sache läuft - so lange, bis Lucas die Szenerie betritt. Was tun, ein opulenter Bauch tut sich auf, so kann ich das nicht fotografieren, schießt es Oliver Mark durch den Kopf. Das ist dann der Moment, in dem das Kissen ins Spiel kommt. Riesen-Bauch mit Riesen-Kissen drapieren, Foto gerettet. Morgen Abend ist das Lucas-Porträt in der Galerie Anna Augstein Fine Arts bei der Vernissage "Portraits and Stills" zu sehen. Die Galeristin und der Fotokünstler arbeiten Sonntagmittag an der Fasanenstraße 69 gerade an der Hängung. Draußen herbstliche Lichtspiele an restaurierten Fassaden und Familienleben beim Nobel-Italiener, drinnen weiß lackierter Holzboden und gerahmte Superstars.

Moritz Bleibtreu , Denkerpose, Licht von unten, Betonung auf Augen und Lippen. Cate Blanchett , sexy-elegant in einen Ledersessel gegossen. Die Hände der US-Konzeptkünstlerin Jenny Holzer in Nahaufnahme. Oder Richard Serra , Mensch gewordene Skulptur, Dämon, Kardinal, Richter.

Angefangen hat alles 1994, mit A.R. Penck . Oliver Mark, Jahrgang 1963, hatte begonnen, sich in der Mode- und Werbefotografie zu langweilen. Nach Penck setzt der Lawinen-Effekt ein. Die Penck-Fotografie legt er Markus Lüpertz vor, den er fotografieren darf, Lüpertz folgt der 1999 verstorbene Emil Schumacher, ein Booklet entsteht, Aufträge von Illustrierten und Magazinen folgen.

Im Café im Literaturhaus an der Fasanenstraße bestellt Mark Ingwerlimonade. Ein gutes Foto, sagt er, sei eins, das berührt. "Es muss eine Emotion zeigen, eine echte. Ob Melancholie oder Lachen ist mir egal." Über sich selbst zu sprechen ist dem Fotografen weniger geläufig, zwei Kinder, zwei Hunde, ein Kombi, nicht zu vergessen - weil ganz wichtig - Ehefrau Michaela , fasst er sein Leben zusammen. Man wohnt in Charlottenburg. Anekdoten über seine fotografischen Modelle gibt Mark ebenfalls nur auf Nachfrage zum Besten. Obwohl er einige zu erzählen hat. Zum Beispiel über Tom Hanks . Fotoauftrag, Check des formalen Bild-Aufbaus und des Lichts, um Mark herum diverse Hank-Mitarbeiter. Deren Ansage: "Sie haben fünf Minuten." "Hi, I'm Tom. I'm famous", scherzt Hanks, als er kommt. "Hi, I'm Olli, I'm not", antwortet Mark. Zur Porträt-Session mit Jeff Koons in der Deutschen Guggenheim bringt Mark einen Ball mit. Koons setzt sich drauf, zu langweilig, befindet Mark und motiviert den Künstler, sich rückwärts auf den Ball zu legen. Koons macht sich also lang und bekommt einen Lach-Anfall - der perfekte Moment, in dem Mark seinen Film belichtet. Für seine Portraits arbeitet er meistens im Team, Haare, Make-up, Styling, das ganze Programm. Für eine Produktion mit Christiane Paul wird über eine spezielle Casting-Agentur ein Hund gebucht. Supermodel Kate Moss würde Mark gern fotografieren. Die meisten Modelle seinen platt, nur schön, nicht so Kate. "Die finde ich einfach klasse. Und sehr sexy."

Anja Popovic