Normalerweise hätte man in diesen Tagen die Einladungskarten für die Ballnacht verschickt. Nicht so in diesem Jahr. "Der Ball wird nicht stattfinden", war vom diensthabenden Diplomaten, der gestern in der Botschaft die Stellung hielt, zu erfahren. Mit den Waldbränden in Russland (eine Zeitung hatte Derartiges berichtet) habe dies allerdings rein gar nichts zu tun. Vielmehr sei dem neuen Botschafter Vladimir M. Grinin nicht genug Zeit geblieben, das Ereignis gebührend vorzubereiten.

"Ball Pompös" hätte man das Fest, das in den vergangenen Jahren immer Anfang September zelebriert wurde, ruhig nennen können. Die Gäste des "Russisch-Deutschen Balls der Wirtschaft, Politik und Kultur" erschienen stets in allerfeinsten Abendroben. Die Kotenevs standen an einer imposanten Treppe und nahmen das Defilee ab. Im Blitzlichtgewitter standen unter anderen Altkanzler Gerhard Schröder , Moderatorin Barbara Schöneberger , die Begum Innara Aga Khan , Model Nadja Auermann , Fußballlegende Franz Beckenbauer sowie Kunstsammler Christian Boros . Das Programm, das geboten wurde, mutete wie eine russische Variante von Tausendundeiner Nacht an: Artisten, Wahrsager, Feuerwerk, Wodka, Kaviar. Ein Fest, das sicherlich kein billiges Vergnügen war und das von Sponsoren unterstützt wurde. Der neue Botschafter Grinin hat dem Bundespräsidenten sein Beglaubigungsschreiben am 3. August überreicht. Nun dürfte er sich an die Ordnung der Geschäfte in seinem Sinne machen. Auf den Ball verzichtet er in diesem Jahr. Wie es weitergeht, wird man sehen. Kotenev hatte sich Ende Juli als neuer Hauptgeschäftsführer der "Gazprom Germania" vorgestellt. Um das Image des russischen Energieriesen aufzupolieren, wird er jene Kontakte nutzen, die er als Botschafter hat aufbauen können. Der erste Schritt in Richtung Öffentlichkeit ist bereits gemacht: Am 20. August bittet Kotenev zum "Vorabendkonzert der Potsdamer Schlössernacht". Ab 18 Uhr trifft man sich zum Sektempfang. Das Open-Air-Konzert am Neuen Palais beginnt um 20 Uhr. Im Anschluss an ein Feuerwerk lädt Kotenev zu einem Spaziergang durch den illuminierten Park sowie zu einem Empfang in die Orangerie. Es gibt also viel Zeit zum Reden mit dem neuen Botschafter für Gazprom.