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Tatort-Star brannte mit Lafontaines Ex durch

"Ein Politiker sagt nie, was er denkt, sondern was notwendig ist", sinniert Schauspieler Jochen Senf (65), unvergessen als unkonventioneller Saarbrücker Tatort-Kommissar Max Palu, dem er 18 Jahre lang (bis 2005) ein Gesicht gab.

Jetzt spielt Senf in Jürgen Wölffers Inszenierung "Die spanische Fliege" in der Komödie am Kurfürstendamm selbst einen Politiker; einen Abgeordneten, der obendrein Vorstandsmitglied eines Vereins für Sitte und Anstand ist, selber aber ein dunkles Geheimnis hat - einen folgenschweren Fehltritt mit einer Tänzerin. Senf ("Ich wähle ganz klar Grün") beim Treffen im Cafè Dollinger an der Leonhardtstraße weiter über Politiker: "Sie verbreiten nach außen hin eine Moral, die sie selbst meistens nicht einhalten."

Mit dem Thema Politik hat Senf auch höchstpersönliche Erfahrungen: Sein Vater, der verstorbene Ökonom und Universitätsprofessor Paul Senf, war nach dem Krieg Finanzminister im Saarland. Und mit Oskar Lafontaines zweiter Frau Margret Lafontaine , Keramikerin, Bildhauerin und Galeristin, ist er laut eigener Aussage "1987 nach Berlin durchgebrannt. Wir waren vier Jahre zusammen, lebten aber in getrennten Wohnungen. Sie ist eine sehr begabte Künstlerin." Der damalige SPD-Politiker Lafontaine war von Anfang April 1982 bis Ende Dezember 1988 mit ihr verheiratet.

Jochen Senf, der in erster Ehe mit einer Fachärztin für Kinderpsychologie verheiratet war und Vater von zwei erwachsenen Kindern ist (Sohn und Tochter), resümiert: "Heiraten ist für mich nicht wichtig, eine Ehe reicht. Der einzige Grund zum Heiraten sind Kinder." Zurzeit ist der Schauspieler und Autor Junggeselle ("Ich kann gut kochen"), lebt solo in seiner Charlottenburger Altbauwohnung oder relaxt in seinem Haus am Beetzsee in Brandenburg. Er hat gerade zwei Beziehungen hinter sich. "Eine dauerte acht Jahre, die andere 18 Monate."

Was ist für ihn in einer Beziehung wichtig? "Respekt, Offenheit und Humor." Senf über sich: "Ich bin ein treuer Mensch." Die Frau, die ihn interessiert, "müsste selbstständig, unabhängig und selbstbestimmt sowie auf eine gewisse Art unkonventionell sein", so Senf und fügt hinzu: "Sie müsste erotisch denkend sein."

Die 18 Jahre als Tatort-Kommissar verfolgen ihn bis heute. Er hat die Rolle seinerzeit seinem eigenen Charakter angepasst, so war Palu statt mit dem Dienstwagen auf dem Fahrrad unterwegs. Nicht selten wird Senf auf der Straße noch immer mit "Hallo, Kommissar Palu" angesprochen. Dass er einmal so auf diese Rolle reduziert werden würde, macht ihn ein wenig traurig. Schließlich habe er in mehr als hundert Kino- und Fernsehrollen vor der Kamera gestanden. "Außerdem habe ich Theater gespielt, war Dramaturg und schreibe Bücher", betont er seine Vielseitigkeit.

Im Jahr 2006 erhielt Senf den Berliner Krimipreis "Krimifuchs". Sein nächstes Buch heißt "Mutterglück"; in Vorbereitung ist die Publikation "Knochenspiel" über das aktuelle Thema Transplantation. Jochen Senf: "Es gibt viel zu wenig Organspender." Ernst fügt er hinzu: "Aber es wird zwingend notwendig, dass sich Ärzte, die Organe transplantieren, an ethische Regeln halten."

Seine beiden Brüder sind beruflich andere Wege gegangen. Gerhard Senf ist Diplom-Psychologe in Saarbrücken, der Arzt Wolfgang Senf ist Professor für Psychosomatik in Essen. Die Kinder von Jochen Senf arbeiten als Therapeutin und Psychologe. Senf lacht: "Wenn die ganze Familie mal zusammenkommt, heißt es daheim ,Der Fachkongress tagt'". Die Mutter war Schneiderin, auch seine Großmutter hatte ein Faible für Mode, leitete eine Modeschule. Er selbst hasst es, neue Sachen zu kaufen. "Wenn mir etwas gut gefällt und passt, kaufe ich es gleich fünfmal."

Im ersten Akt des Stücks "Die spanische Fliege" (Premiere am 19. Juli um 18 Uhr) muss Jochen Senf in Unterhosen auftreten. "In Feinripp-Unterwäsche. Da krieg' ich privat einen Schreikrampf, denn ich trage nur Boxershorts."