Fernsehen

Sara Nuru ist das nächste Topmodel

Um 22.58 Uhr gestern Abend stand es fest: Sara Nuru ist "Germany's Next Topmodel 2009". Die 19 Jahre alte Schülerin aus München, deren Familie aus Äthiopien stammt, fiel Heidi Klum in die Arme, lächelte glücklich in die Kameras.

"Es ist ein unglaubliches Gefühl. Ich bin so froh. Ich realisiere das, glaube ich, noch gar nicht: Ich habe gewonnen", sagte sie.

Zum Entertainmentprogramm der Final-Show hatten die norwegische Band a-ha (präsentierte als Weltpremiere ihre Single "Foot Of The Mountain"), Queensberry sowie Sänger Milow gehört. Zu den Aufgaben, die die Finalistinnen zu absolvieren hatten, gehörten das Vorführen von Dessous auf dem Catwalk sowie ein Fotoshooting auf einem künstlichen Bullen.

Vor dem Finale gestern Abend hatten sich die Kandidatinnen nochmals präsentiert. Abiturientin Marie Nasemann (20) berichtete, in ihrem Heimatort Gauting bei München die Probe aufs Exempel gemacht zu haben. Mit Hut und großer Sonnenbrille sei sie auf die Straße gegangen, "aber es klappt einfach nicht, die Leute erkennen einen trotzdem." Auch Schülerin Mandy Bork (18) aus Witten wird "ziemlich oft angesprochen. Meistens dann, wenn ich ungeschminkt aus dem Haus gegangen bin". Ähnliches berichtete Sara Nuru: "Ich wundere mich immer wieder, dass ich von Leuten, die mir total unbekannt sind, angesprochen werde. Wir haben alle unsere Fans."

Heidi Klum und ihr Sendeformat sind viel kritisiert worden. Wolfgang Joop bezeichnete Heidi Klum als "Durchschnitt in Perfektion", Alice Schwarzer sagte ihr "Kälte und Arroganz" nach. Wie Klum "diese naiven jungen Mädchen" vorführe, sei "einfach widerlich". Dass "Germany's Next Topmodel" als Massenphänomen aber funktioniert, können selbst Kritiker nicht leugnen. Die vierte Staffel der Castingshow ist die bislang erfolgreichste. Im Schnitt sahen 23,8 Prozent der 14- bis 49-jährigen Zuschauer die Sendung, das Finale in der Kölner "Lanxess Arena" (15 000 Zuschauer) war gestern Abend ausverkauft. Die TV-Zuschauer mussten neben Heidi Klums schwacher Moderation und Selbstinszenierung immer wieder lange Werbepausen ertragen. Dafür wurde technischer Aufwand betrieben: Die drei Finalistinnen, die sich gegen eine Konkurrenz von 21 263 Bewerberinnen durchgesetzt hatten, "schwebten" unter anderem von der Hallendecke.

Im Gegensatz zu Castingshows wie "Deutschland sucht den Superstar" gebe es keine Zuschauerbeteiligung per Televoting; die Entscheidung liege bei Heidi Klum und ihren Jury-Kollegen Peyman Amin und Rolf Scheider, betonte gestern nochmals eine ProSieben-Sprecherin. Auch Heidi Klums Vater Günther, dem großer Einfluss auf die Geschäfte seiner Tochter nachgesagt wird, habe "nichts mit der Entscheidung zu tun". Sara Nuru erscheint jedenfalls auf dem Cover der August-Ausgabe (ab 18. Juli im Handel) der deutschen "Cosmopolitan". Außerdem gewinnt sie ein Auto sowie Werbeverträge mit C&A und Maybelline Jade im Gesamtwert von 200 000 Euro.

In wieweit der Titel "Germany's Next Topmodel" in der Branche weiterhilft, ist umstritten. In die erste Laufsteg-Liga hat es bislang noch keines der "Klum-Mädchen" geschafft. Auch Heidi Klum selbst überzeugte weniger auf dem Catwalk. Dafür verdiente sie Millionen mit Werbeverträgen. Bei einem Einkommens-Ranking des amerikanischen Wirtschaftsmagazins "Forbes" landete Heidi Klum mit etwa 10 Millionen Euro Jahresverdienst auf Platz zwei hinter Gisèle Bündchen (22,5 Millionen Euro).