Das ist keine Berufskrankheit, sondern eine Charakterfrage. Die 51-Jährige geht den Dingen gern auf den Grund: "Mich interessiert nicht, ob etwas passiert, sondern warum."
Doch natürlich guckt Olivia Pascal nicht nur hinter die Kulissen der Kollegen. Meistens steht sie selbst auf der Bühne oder vor der Kamera. Seit mittlerweile 33 Jahren. Bekannt wurde sie Ende der 1980er-Jahre als Kindermädchen Carola in der "Schwarzwaldklinik", viermal fuhr sie auf Wolfgang Rademanns "Traumschiff" mit und würde es jederzeit wieder tun. Sie hat kein Problem mit Herz-Schmerz-Geschichten: "Diese 'Märchen für Erwachsene' sind wichtig, davon sollte es viel mehr geben. Da gibt es eine Überschaubarkeit, die wir im normalen Leben nicht haben." Olivia Pascal wird häufig in der Rolle der patenten Frau besetzt ("Uta Danella - Der Verlobte meiner besten Freundin", 3. April, 20.15 Uhr in der ARD). "Das ist wohl meine Ausstrahlung, und so bin ich irgendwie auch. Ich habe ein Urvertrauen ins Leben." Dabei würde sie auch die Rolle einer Profilerin reizen "Ich bin ein absoluter Psychologie-Fan. Es macht Spaß jemand zu spielen, der innerlich zerrissen ist", sagt die Schauspielerin, die eigentlich immer Medizin studieren wollte. Doch dafür ist es jetzt zu spät. "Ein Medizinstudium gehört zu den wenigen Sachen, von denen ich wirklich sage: Dafür bin ich zu alt." Im nächsten Leben will Olivia Pascal unbedingt Psychologin werden. Bis dahin geht sie den Dingen schreibend auf den Grund. Als Tochter einer Bibliothekarin hat Olivia Pascal nicht nur immer schon gern gelesen, sondern auch selbst Texte verfasst. "Als ich Kind war, hatten wir keinen Fernseher. Deshalb habe ich viele Hörspiele gehört, Spiele gespielt und Tagebücher geschrieben." Doch die hat die Münchenerin nach zwei Jahren immer vernichtet: "Ich wollte das nur für mich haben, ich wollte nicht, dass das irgendwer liest."
Heute verarbeitet Olivia Pascal ihre Gedanken zu Theaterstücken, Drehbüchern und Kurzgeschichten. Inspirieren ließ sie sich lange Zeit von der Schriftstellerin Ingrid Noll. "Die hat auch erst spät veröffentlicht." Und veröffentlichen will die Hobby-Autorin ihre skurril-witzigen Geschichten um menschliche Abgründe in naher Zukunft unbedingt. Von ihrer Schreibleidenschaft profitieren auch die Fans. Olivia Pascal antwortet nach wie vor auf jeden Brief. "Als ich jung war, war ich so naiv und habe sogar immer meine Privatadresse aufs Kuvert geschrieben." Mittlerweile ist sie zwar vorsichtiger geworden, aber immer noch sehr glücklich über die Zuneigung ihrer Fans. Ein schönes Gefühl. Dabei kann sich Olivia Pascal nicht nur über die freuen, die mit ihr älter geworden sind, sondern auch über Zehnjährige, die ihr schreiben, dass sie sie gern als Mutter hätten. "Ich strahle also offensichtlich auch etwas Mütterliches aus", sagt die 51-Jährige, die selbst keinen Nachwuchs hat: "Ich bin einfach nie schwanger geworden. Aber es gibt genug Kinder in meinem Leben. Es ist nicht so, dass ich merke, dass ich etwas entbehren musste."
An den Wochenenden kommen die zwölfjährigen Zwillinge ihres Mannes Peter Kanitz regelmäßig zu Besuch. Dann machen sie zusammen Hausaufgaben, kochen oder spielen Fußball. Gern fährt die Wochenend-Familie auch in den Kinderspielpark "Lollihop" und da wiederum geht schon mal der Entdeckergeist mit Olivia Pascal durch: "Als wir das erste Mal da waren, habe ich mich mit viel Elan in die Hüpfburg geschmissen, bis ich darauf aufmerksam gemacht wurde, dass das für Erwachsene gar nicht erlaubt ist." Doch derartige Dämpfer wirken nur kurz. Viel lieber als rumzuspringen läuft die Schauspielerin nämlich quer durch die Stadt. Um ausführlich über das Leben nachzudenken. "Es gab auch Zeiten, in denen habe ich mir München bei Nacht angeschaut. Mich faszinieren besonders beleuchtete Fenster. Dahinter findet ein komplettes Leben statt, lauter verschiedene Schicksale."

