Fernsehen

Die deutsche Antwort auf Tom Cruise

Wie er da so lässig im Streifenpullover im Café Nosh an der Pappelallee in Prenzlauer Berg sitzt, hat der Berliner Schauspieler Peter Becker (29) nur wenig Ähnlichkeit mit dem jungen Offizier und späteren Widerstandskämpfer und Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg.

Jetzt spielt der hochgewachsene (1,93 Meter) Becker die Hauptrolle in der ZDF-Dokumentation "Stauffenberg - Die wahre Geschichte". Der Zweiteiler, der unter der Leitung von ZDF-Chefhistoriker Guido Knopp entstand, zeichnet mit nachgestellten Szenen, Archivmaterial und Zeitzeugen Schlüsselmomente in Stauffenbergs persönlicher Entwicklung nach. Die 45-Minuten-Sendungen laufen am 13. und 20. Januar jeweils um 20.15 Uhr. Damit finden die TV-Ausstrahlungen noch vor dem Deutschlandstart des US-Films "Operation Walküre" - mit Tom Cruise als Stauffenberg - statt. Während der Hollywoodstreifen unter der Regie von Bryan Singer eher als ein unterhaltsam gemachtes Drama anzusehen ist, versucht sich der Spielfilm-Doku-Mix an einem authentischen Profil.

Ist der ZDF-Zweiteiler eine Konkurrenz zu dem Streifen mit Cruise? Peter Becker: "Dessen Film ist ein Spielfilm und hat eine ganz andere Herangehensweise. Wir mit unserem Doku-Zweiteiler möchten vor allem Informationen bieten. Im ersten Teil geht es um den Werdegang von Stauffenberg, im zweiten Teil um den Tag des Attentats. Natürlich werde ich mir den Film mit Cruise ansehen."

Zu den Zeitzeugen gehört nicht nur der letzte noch lebende Mitverschwörer Ewald von Kleist; zu ihnen, so Becker, "zählen auch Stauffenbergs ältester Sohn Berthold Schenk Graf von Stauffenberg und seine jüngste Tochter Konstanze von Schulthess-Rechberg. Leider fanden die Aufnahmen mit ihnen vor unseren Dreharbeiten statt, ich würde sie gern persönlich kennenlernen."

Als Vorbereitung auf seine Rolle hat Becker "sämtliche Biografien gelesen und vor Drehbeginn außerdem einen Major von der Bundeswehr getroffen, für die perfekte Körperhaltung. Er hat mir auch erklärt, wie man korrekt salutiert. In Uniform bewegt man sich viel aufrechter, man läuft auch anders in Militärstiefeln. Am Set gab es zudem Fachleute, die uns die Schusswaffen erklärt haben."

Der Schauspieler, der zuletzt für die Filme "Vulkan" mit Katharina Wackernagel und "Haus und Kind" mit Stefan Kurt und Marie Bäumer vor der Kamera stand, über seine Stauffenberg-Rolle: "Es ist das erste Mal, dass ich jemanden spiele, der gelebt hat. Alle Szenen sind nachgestellt, es gibt keine Filmaufnahmen von Stauffenberg. Wir haben aber schriftlich festgehaltene Zitate aus Briefen und Büchern, die verwendet werden."

Was war am beklemmendsten?

"Die Szenen der Erschießung. Ich empfand in diesem Moment ein ganz extremes Mitgefühl für diesen Mann."

Gedreht wurde überwiegend in Breslau, "wegen der vielen alten Häuser. Und in Zürich, wo noch die Ju 52 aus den 30er-Jahren vorhanden ist. In dem alten Flugzeug sind wir auch geflogen." Die Dreharbeiten begannen allerdings mit Verspätung. "Wegen meiner Theaterverpflichtungen wurden sie um eineinhalb Monate verschoben. Ich pendelte zwischen zwei Stücken, musste in dieser Zeit meine ganz physische und mentale Konzentration zusammennehmen", erinnert sich Becker, der in Köln in "Stunde Null Vol. III" und in Essen in dem Stück "Anatomie Titus Fall of Rome" zu sehen war.

Nachdem der Theater- und Filmschauspieler im Jahr 2008 in drei Theaterstücken mitgespielt und drei Filme gedreht hat, "ist 2009 eher Fokussieren angesagt. So möchte ich wieder am Deutschen Theater in ,Caligula' auf der Bühne stehen."

Seine Familie kommt aus England, zog später nach Bad Hersfeld. "Ich bin zweisprachig aufgewachsen, würde auch gerne einmal im englischsprachigen Ausland drehen", so Becker, der sich selbst als "sehr aufgeschlossen, sensibel, aber auch rational denkend" beschreibt.

In Berlin arbeitete Becker zunächst als Produktionsassistent sowie Caster für Werbefilme und Videos. "Dann folgte 2002 mein Studium an der Ernst-Busch-Schauspielschule. Im Schauspielberuf bin ich erst zweieinhalb Jahre."

Peter Becker hat sowohl unter der Regie von Männern als auch von Frauen gespielt. Der Unterschied bei der Arbeit? "Männer haben genaue Vorstellungen von der Rolle, bei Männern ist ,Hahnenkampf' angesagt. Bei Frauen ist der Darsteller freier in seiner Interpretation."

Wovor hat Becker, der sich mit Laufen fit hält und dessen liebstes Hobby die acht Monate alte Tochter eines befreundeten Paares ist, Angst? "Dass wir uns als Menschen immer mehr voneinander entfernen."