Drei Salutschüsse und eine Liebeserklärung. Das sind die Klänge, die in Erinnerung bleiben werden von der (nicht ganz freiwilligen) Verabschiedung Edmund Stoibers aus seinem Amt als Ministerpräsident von Bayern.

Für sein letztes pompöses Hofhalten als Landeschef hatte sich Stoiber Montagabend das Antiquarium in der Münchener Residenz, den prächtigsten Renaissancesaal nördlich der Alpen, ausgesucht. Staatsmännisch, mit gefalteten Händen und in Landestracht (Janker und Flanellhose) nahm Stoiber am roten Teppich die Salutschüsse der Gebirgsschützen ab, in typischer Denkerpose hielt er dann seine Abschiedsrede. Umgeben von Büsten römischer Imperatoren wandte sich Stoiber seiner Frau Karin zu, die ein schwarzes Dirndl mit roséfarbener Schürze trug: "Ich bin ihr unendlich dankbar. Sie hatte eigentlich einen Rechtsreferendar geheiratet und sich ein anderes Leben gewünscht." Karin Stoiber, die sich nun auf viel freie Zeit mit ihren drei Kindern und den Enkeln freut, stand ihrem Mann 14 Jahre lang als Landesmutter zur Seite. Besonders in den letzten, innerparteilich turbulenten Wochen seiner Amtszeit und dem letztlich durch die Fürther CSU-Landrätin Gabriele Pauli ausgelösten Rücktritt hatte Stoiber Kraft und Rückhalt bei seiner Frau schöpfen können. Einen Seitenhieb auf die Parteikollegen, die ihn aus dem Amt gedrängt hatten, ersparte sich Stoiber an diesem Abend. Vor mehreren Hundert Gästen, darunter Herzog Franz von Bayern, Altbundespräsident Roman Herzog mit Ehefrau Alexandra von Berlichingen, Gloria Fürstin von Thurn und Taxis, Jazz-Musiker Klaus Doldinger, Ex-Showmaster Blacky Fuchsberger, Fußball-Profi Bastian Schweinsteiger, Kardinal Friedrich Wetter, FC-Bayern-München-Manager Uli Hoeneß und Münchens SPD-Oberbürgermeister Christian Ude, sagte Stoiber mit Contenance: "Ich scheide in großer Dankbarkeit aus dem Amt und wünsche meinem Nachfolger Günther Beckstein Erfolg, Glück und Gottes Segen." Es zeichne Bayern aus, so Stoiber weiter, dass es einen großen Zusammenhalt gebe. Er meinte im Land, nicht in seiner CSU. "Wenn ich auf meine Regierungszeit zurückblicke, habe ich versucht, Politik zu gestalten unter dem Motto: wertgebunden und modern."

Dann überreichte Roman Herzog dem "Privatier Stoiber" im monarchisch anmutenden Ambiente der Residenz als Abschiedsgeschenke ein Laptop von den bayerischen Professoren und eine Lederhose von Bayerns Trachtlern.

Auch die Bürger der Landeshauptstadt durften am Tag des offiziellen Abschieds ihres Landesvaters ein bisschen Wehmut leben. In den Bäckereien Münchens lagen Krapfen aus, mit Bayerischer Creme gefüllt und mit der Aufschrift "Servus Edi" in blauen Lettern natürlich.

Franziska v. Mutius