"Der typische Sammler ist männlich, 60 und Großindustrieller", hat Julia Stoschek dieser Zeitung vor etwa drei Jahren im Café "Gagarin" am Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg gesagt. Damals begann die Mitgesellschafterin des Autozuliefererunternehmens Brose gerade, sich in der internationalen Kunstszene einen Namen zu machen. Julia Stoschek war 29 Jahre alt. Die gelernte Betriebswirtin kombinierte Röhrenjeans mit Glitzergürteln und Stilettos, die Haare trug sie lang und aus dem Gesicht. Inzwischen gibt es eine komplett neue Julia Stoschek. Strenger Pony, glatte Mähne, auf Fotos lächelt sie seltener als damals.
Ihr neues Image: ein bisschen Nofretete, und zwar eine, die in Sachen Kunst extrem erfolgreich ist. In VIP-Kunstkreisen hat die Mäzenin und Sammlerin den millionenschweren Fotografen Andreas Gursky als ihren Lebensgefährten vorgestellt. In Berlin gehört Julia Stoschek zum Direktorium des Instituts für zeitgenössische Kunst "KunstWerke" an der Auguststraße in Mitte (zu den Kuratoren und Trustees zählen auch Diana Widmaier-Picasso und Performance-Künstlerin Marina Abramovic). Am 16. Juni wurde die Julia-Stoschek-Collection, das Privatmuseum der Sammlerin, in Düsseldorf vor 600 geladenen Gästen eröffnet. Das leer stehende Industriegebäude hatte sie während eines Spaziergangs mit Mischlingshund Mumpfy entdeckt. Es kann nach Voranmeldung besichtigt werden. Etwa 350 Werke moderner Medienkunst hat Julia Stoschek zusammengetragen, darunter Werke des US-Künstlers Bruce Nauman und der Fotokünstlerin Katharina Sieverding. Das Geld, das Julia Stoschek in Kunst investiert, stammt übrigens nicht aus der Firma Brose, sondern aus ihrem Privatvermögen. Auf diese Feststellung hat sie schon Wert gelegt, als sie in Sachen Styling vor drei Jahren noch als junge, hippe Adlige durchgegangen wäre.
Anja Popovic

