Ein Jahr lang haben sie es noch versucht. Das ZDF und die Produktionsfirma Phoenix haben Karsten Speck (46) nach seiner Verurteilung wegen schweren Betrugs (im Zusammenhang mit Immobilien) seine Hauptrolle in der Serie "Hallo Robbie" gelassen. Mit ihm auf Rügen die 6. Staffel gedreht, die am Ostersonnabend im TV startete. In der 7. Staffel, die im Mai beginnt, ist Karsten Speck nur noch wenige Tage am Set. Dann muss er die Serie verlassen - nach sechs Jahren. Sein Nachfolger wird Marcus Grüsser (40).
"Letztes Jahr haben wir es noch durchgezogen. Aber durch seine Haft wurden die Dreharbeiten erheblich erschwert", bestätigte uns gestern Nadja Jumah von Phoenix. "Karsten Speck musste jeden Abend zu einer bestimmten Zeit wieder in der JVA sein. Das ist mit Dreharbeiten schwer vereinbar. Da verzögern sich Einstellungen, man kann das Ende nie voraussehen. Ein Team muss flexibel sein."
Im Sommer ist Karsten Speck seinen TV-Job los, mit dem er in der vergangenen Zeit seine Schulden verringerte. "Das ist hart, vielleicht kann er das durch mehr Theaterspielen auffangen", sagt Nadja Jumah. Zuletzt stand Speck von Januar bis März 2007 im Theater an der Kö in Düsseldorf mit dem Stück "Sextett" auf der Bühne, hatte sich vorübergehend in die dortige JVA verlegen lassen. Die Serie als Dr. Jens Lennart zu verlassen, sei auch Specks Wunsch gewesen, so Jumah. "Er möchte nicht mehr so lange so weit weg von seiner Familie in Berlin sein." 2006 saß Karsten Speck im offenen Vollzug in der Justizvollzugsanstalt Waldeck bei Rostock. Dorthin hatte er sich von Nordrhein-Westfalen verlegen lassen, um weiter arbeiten zu können. Obwohl Specks Haftstrafe (34 Monate) im August 2008 verbüßt ist (er sitzt derzeit in der JVA Hakenfelde in Berlin), ist eine Rückkehr zur Serie ausgeschlossen. "Er wird endgültig rausgeschrieben. Als Dr. Jens Lennart wird er einen lang ersehnten Forschungsauftrag in Spitzbergen übernehmen und von einem Freund, gespielt von Marcus Grüsser, vertreten", sagt Nadja Jumah. Auch das ZDF schließt eine Rückkehr Specks aus: "Wenn man sich für einen Nachfolger entscheidet, darf man diesem nicht das Gefühl geben, er sei nur ein Lückenbüßer. Außerdem müssten dann ja die Drehbücher wieder umgeschrieben werden", sagte uns ZDF-Sprecher Peter Gruhne .
Ein Zusammenhang mit den sinkenden Einschaltquoten (2001: 5,7 Millionen Zuschauer; 2005: im Schnitt 3,9 Millionen und am Ostersonnabend nur noch 3,5 Millionen) bestreitet das ZDF. Im Januar gab es Medienberichte, laut denen Karsten Speck Wiederholungshonorare für "Hallo Robbie" nicht ordnungsgemäß auf ein vom Gericht angeordnetes Treuhandkonto überwiesen habe. Aus diesem Grund hatten Beamte des LKA Brandenburg Specks Anwesen in Schildow durchsucht. Speck bestreitet die Vorwürfe. "Unsere Entscheidung hatte damit nichts zu tun", so Nadja Jumah.
Bea Peters/F. v. Mutius

