Opernsänger René Kollo philosophiert im Opernpalais. Über das Leben. Er hat sich Donnerstagabend zur Premierenfeier des "Jedermann" eingefunden, den Regisseurin Brigitte Grothum bereits in der 17. Saison im Berliner Dom zeigt. Das Stück von Hugo von Hofmannsthal regt zum Nachdenken über den Sinn des Lebens an, über Werte, Traditionen und den Tod. "Ich habe Respekt vor dem Tod. Er beendet den ganzen Blödsinn", sagt Kollo.

"Ich glaube nicht an Gott. Ich glaube an die Kirche und den Katholizismus als Kulturform. Was das Sterben angeht, halte ich es mit Voltaire, der war wie ich Sternzeichen Skorpion. Auf dem Sterbebett hat ihn ein Priester gefragt, ob er sich nicht mit Gott aussöhnen wolle. Voltaire antwortete: Gott wird mir vergeben. Das ist ja sein Metier. Wenn es einen Gott gibt, dann wird er auch mir vergeben . . ."

René Kollo pendelt durchs Leben. Sechs Monate Berlin, sechs Monate Mallorca, wo er vor kurzem ein Restaurant eröffnet hat. Beerdigt werden will er wohl in der Hauptstadt - aber nicht neben seinem Vater, dem Komponisten Willi Kollo, der 1988 auf dem Waldfriedhof am Olympiastadion beigesetzt wurde. "Unsere Familie ist so desaströs und zerstritten wie die des Walzerkönigs Johann Strauß. Wir wollen alle einzeln liegen und nicht in einem Familiengrab."

mut