"Über Geschmack lässt sich nicht streiten", entfuhr es "Hitparaden"-Ikone Dieter Thomas Heck gestern blitzspontan, als das Gespräch auf das Werk von Modern Talking kam. Und tatsächlich begegneten sich in den zurückliegenden 18 Jahren seit Gründung der zweiköpfigen Top-Ten-Combo die Begriffe "Geschmack" und "Modern Talking" nur selten. Dennoch weckte die Frage nach dem gestrigen Auftritt von Dieter Bohlen und Thomas Anders in der Wuhlheide, der als Abschiedskonzert angekündigt war, unter Berliner Prominenten mehrheitlich schöne Erinnerungen.

Schauspielerin Mariella Ahrens etwa bedauerte, dem wummernden Adieu nicht beiwohnen zu können. "Ich habe eine Einladung." Von ihrem Urlaubsort in Kroatien aus outete sie sich: "Ich bin ja in den Achtziger Jahren groß geworden - und seitdem sind Modern Talking für mich die absolute Kultband. Obwohl das heute nicht mehr meine Musik ist, muss ich ihnen zugestehen, dass sie sich wacker geschlagen und sogar neue Fans gefunden haben."

Die Chefredakteurin des Radiosenders KISS-FM, Jackie Brown , stimmt zu: "Modern Talking hatten großen Unterhaltungswert, immer lustig, immer schrilles Disco-Feeling." Der Wuhlheide wollte sie sich gestern allerdings fern halten: "Ich war nie auf einem Modern Talking Konzert und werde jetzt bestimmt nicht damit anfangen."

Bohlens Versprechen, die Bandkarriere zu terminieren, mochte Brown nicht recht trauen. "Ich prophezeie, dass die in 20 Jahren zurückkehren - dann ist Bohlen 69 und Anders 60 Jahre alt - um noch mal schön auf Abschiedstournee zu gehen."

Dieter Thomas Heck - derzeit in Spanien - erwartet das Comeback bereits in zwei Jahren. Auch wenn Thomas Anders sich dieser Tage empört über Bohlens Auflösungs-Entscheidung äußert. "Die werden sich zusammenraufen, der Kleine wird sagen: Komm Dieter, das war nicht so gemeint." Nach dem Erfolgsrezept der beiden gefragt, erklärte Heck: "Wenn Texte, Musik, Aussehen und Bewegungen stimmen, wenn die richtige Mixtur da ist, dann kommen auch die Hits."

Selbst Schauspieler Ingo Naujoks , der sich sonst eher bei den Rolling Stones und The Who heimisch fühlt, konnte gestern nicht leugnen, "dass Modern Talking immer für augenzwinkernde Boulevard-Geschichten und schräge Schlagzeilen gut waren".

Besonders Dieter Bohlen habe "immer eine Menge Aufriss gemacht, der polarisiert stark, der hat das Publikum mit seiner Autobiografie gut unterhalten."

Auch wenn er dem Duo nicht nachtrauere: "Das wird mir schon fehlen: Einerseits der Bohlen, so wie er eben ist, und daneben der Anders, immer irgendwie beleidigt, immer irgendwie eingeschnappt."

Patrick Goldstein