Sie hat ihn noch nie gesehen, aber sie spürt seinen Schatten überall. Was immer sie macht - er weiß Bescheid. Minh-Khai Phan-Thi , Ex-Viva-Moderatorin und Schauspielerin, wird in der Hauptstadt von einem Besessenen verfolgt. Der Berliner taucht vor ihrer Haustür in Mitte auf, schreibt ihr Briefe, sucht sein Idol im Asia-Restaurant "Kuchi", das einem Bekannten von Minh-Khais Freund Ngo The Chau gehört.
Aus Angst vor dem unheimlichen Unbekannten ist Minh-Khai Phan-Thi in Berlin schon einmal umgezogen, in eine Dachgeschosswohnung, in die niemand reinschauen kann. "Aufs Klingelschild kann ich meinen Namen nicht mehr schreiben, ins Telefonbuch lasse ich mich auch nicht mehr eintragen", berichtet die in Darmstadt geborene Vietnamesin in der aktuellen Ausgabe des "Stern". Gegen den Liebes-Terror kann sich die 29-Jährige mit den Mandelaugen nicht wehren. Sie kennt zwar den Namen des Berliners, der sie terrorisiert. Er versteckt sich nicht in der Anonymität. Aber die Polizei greift nicht ein, wenn ein Brief ins Haus flattert, mit der Botschaft: "Ich kaufe dir ein Fahrrad, und wir radeln um die Welt." Die Ordnungshüter schreiten auch dann nicht ein, wenn der Besessene seiner Auserwählten bedrohlicher schreibt: "Bekomme keine Kinder von anderen Männern. Wir heiraten!" Minh-Khai Phan-Thi bleibt als Ausweg nur, sich einen Anwalt zu nehmen. Aber während die stille Gewalt der "Stalker" (der englische Begriff stammt aus der Jagd und meint das pirschende Einkreisen der Beute) in den USA mittlerweile unter Strafe steht und mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet wird, gilt Psychoterror in Deutschland noch immer als Kavaliersdelikt.
In Berlin ist Minh-Khai Phan-Thi nicht das einzige prominente Gesicht, das von liebestrunkenen Verehrern verfolgt wurde oder wird. Ihre Leidensgenossen heißen Guido Westerwelle , Sarah Connor , Kati Witt und Roger Willemsen .
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