Leserbriefe

"Völlig unnötige Umbenennung"

Mit ihrer Kolumne "Hauptsache auf Englisch" hat mir die Autorin aus der Seele gesprochen. Diese neue Bezeichnung für unsere Messe Berlin ist so etwas von schlimm, dass es eigentlich schon wehtut. Das ist doch eine Berliner Institution, die auch im Ausland bekannt ist, die keinen englischen Titel braucht. Ich muss doch nicht alle Begriffe ins Englische übertragen, um mit der Zeit zu gehen. Wir werden auf diese Weise nicht moderner. Mein Wahlspruch ist ganz eindeutig: Unsere Sprache ist Deutsch. Lassen wir sie nicht im Stich. Wir fordern sie doch auch von Ausländern, die in Deutschland leben. Sorgen Sie bitte in Ihrer und unserer Berliner Morgenpost mit dafür, dass die deutsche Sprache nicht im Stich gelassen wird.

Dieter J. Schubert, Köpenick

Sie haben mir aus dem Herzen geschrieben. Was heutzutage alles auf Englisch benannt oder beschrieben wird, ist grausam. Mir kommt es auch nicht in den Sinn, Begriffe wie Handy oder Laptop einzudeutschen. Aber da, wo mit der deutschen Sprache ein Ding oder Sachverhalt ausgedrückt werden kann, sollte dies getan werden.

Falk Bartholomäus, Wildau

Endlich wird dieses grassierende Denglisch-Elend einmal aufgespießt. Nicht nur mit gemischten Gefühlen betrachten wir diese Verballhornung der deutschen Sprache, sondern mit Entsetzen. Ein besonderes "Event" kann man in Schöneberg bewundern. Dort - und nicht nur dort - kann man eine Backfactory besichtigen. Da wird offensichtlich etwas zurückfabriziert. Nur was? Der Schwachsinn hat offensichtlich Methode.

Dirk Jungnickel, Lichterfelde

In den Schulen, hauptsächlich in denen, wo der Migrantenanteil sehr hoch ist, wissen die Kinder nicht einmal, was "sale" oder "outdoor jackets" heißt, geschweige denn, was es auf Deutsch heißt oder ist. Diese Jugendlichen haben mit der eigenen Sprache und mit dem Deutschlernen genug zu tun und sollten nicht noch mit mehr als unnötigen Wörtern belastet werden. Ich jedenfalls kaufe keine Artikel, die in Englisch oder sonst einer anderen Fremdsprache angeboten werden.

Irmhild Krüger, Schöneberg

Das Messegelände am Funkturm als "Berlin ExpoCenter City" zu bezeichnen wäre in einem anderen Land, in dem nicht Englisch gesprochen wird, wohl nicht denkbar. Man glaubt, wie so vieles im Lande weiterhin gleichgültig hingenommen wird, dass dies auch bei der Verwilderung der deutschen Sprache der Fall sein wird. Ich habe schon Beispiele erlebt, die auch gelegentlich auf mich zutreffen, dass man einfach dort nicht mehr das Geschäft oder Restaurant betritt, wo man in englischer Sprache zum Betreten und Kauf eingeladen wird. Die Franzosen zum Beispiel zeigen darin eine natürliche Haltung und einen selbstverständlichen nationalen Stolz und bemühen sich, sich der Entfremdung ihrer Sprache kraft Gesetzes zu widersetzen. Sie haben völlig recht, dass in der technischen Welt die englische Sprache weiterhin führend sein wird. Doch die deutsche Sprache sollte sich dort ihren Platz bewahren, wo sie ihre Geburtsstätte und wo sie sich weiterhin ihres kulturellen Wertes bewusst zu sein hat. Im täglichen Gebrauch der Sprache hat eine Fremdsprache keinen Platz.

Harry Döring, per E-Mail

Wahl-Serie sollte Pflichtlektüre für alle Berliner werden

Zur Morgenpost-Serie "Berlin wählt"

Zuerst einmal ein großes Dankeschön an die Morgenpost-Redaktion für diese großartige Serie. Für jeden Berliner sollte diese Serie Pflichtlektüre sein. Die Parteien pflastern die Straßen mit Plakaten voll, die Morgenpost klärt die Menschen auf. Um die katastrophalen Fehlleistungen des rot-roten Senats aufzuzählen, bedarf es einiger DIN-A4-Seiten, darum verzichte ich darauf. Die Morgenpost hat darüber eine gute Berichterstattung in den vergangenen Jahren geliefert.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Alles ist in Richtlinien der EU detailliert geregelt

Zum Artikel: "Seit Wochen obdachlos im Görlitzer Park" vom 21. August

Der Bericht verschweigt leider die europäischen Regeln zum Aufenthaltsrecht von EU-Bürgern in einem anderen EU-Land über die Dauer von drei Monaten hinaus. Nach der EU-Richtlinie 2004/38 EG besteht dieses nämlich nur dann, wenn die Betreffenden "über ausreichende Existenzmittel verfügen, sodass sie während ihres Aufenthalts keine Sozialleistungen des Aufnahmemitgliedsstaats in Anspruch nehmen müssen" und sie und ihre Familienangehörigen "über einen umfassenden Versicherungsschutz im Aufnahmeland verfügen". Das Problem des Krankenversicherungsschutzes muss also nicht "gelöst" werden, wie der Stadtrat meint, denn es ist geregelt. Dasselbe gilt für die Frage der Unterbringung.

Dr. Theodor Seidel, Buckow