Belletristik

Kai Twilfer und sein zweiter Teil der „Ruhrpott-Schantall“

Sie hat angeklebte Fingernägel, einen Hund in Handtaschengröße und einen Sohn namens Tschastin.

Nur eines hat sie nicht: Ahnung von Grammatik. Das Buch „Schantall, tu ma die Omma winken!“ über die prollige Schantall Pröllmann brachte Autor Kai Twilfer im vergangenen Jahr an die Spitze der Bestseller-Liste. Nun tut er an den überraschenden Erfolg anknüpfen, wie es die Anti-Heldin seines Buches ausdrücken würde – und legt mit „Schantall, tu ma die Omma Prost sagen!“ nach.

Anders als in Twilfers Erstlingswerk hat Schantall es darin allerdings zumindest vorerst aus der Unterschicht von Bochtrop-Rauxel irgendwo im Ruhrgebiet in die Upper-Class von Düsseldorf geschafft – durch die Ehe mit dem gutbetuchten Cedrik.

Warum sie dort noch immer den fiktiven Sozialarbeiter Jochen an ihrer Seite braucht, der bereits im ersten Teil aus der Beobachterperspektive erzählte, erschließt sich dem Leser allerdings nicht gänzlich. Wer die charakteristischen Satzkonstruktionen mit „tun“ plus Vollverb mag, dürfte allerdings voll auf seine Kosten kommen.

Es gibt beispielsweise ein Klassentreffen („Ey, isch dachte, Sie sind schon lange tot und so!“), einen Ausflug nach Sylt und einen Besuch im Tierheim zwecks Mini-Hund-Anschaffung („Dat Lecken und Sabbern kann man jetzt nicht so direkt abstellen tun, oder?“)

Für diejenigen, die sich nicht schon beim Lesen der Entgleisungen von Proll-Schantall überaus gebildet vorkommen, hält der Autor nach jedem Kapitel gewissermaßen einen Moral-von-der-Geschichte-Teil bereit. Darin kritisiert Twilfer etwa übertriebene Tierliebe, arbeitet sich am deutschen Schulsystem ab oder sinniert über Kindererziehung. Recht passen will der erhobene Zeigefinger zu dem ansonsten klamaukig angelegten Buch allerdings nicht.

Auf Comedy-Tour

An humoristischem Reiz büßt das Buch allerdings vor allem dadurch ein, dass der Autor sämtliche Witze bis ins kleinste Detail auflöst. Zu stören scheint das jedoch nicht allzu viele Leser: Twilfer ist nach dem Erfolg des ersten Teils mit den Geschichten um die Proll-Familie inzwischen auf Comedy-Tour.

Und wer von seinem Humor und Schantalls Grammatik gar nicht genug bekommen kann: Ein drittes Buch schließt der Autor nicht aus. Mal sehen, was Schantall dann treibt.

Kai Twilfer: Schantall, tu ma die Omma Prost sagen! Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin, 224 S., 9,95 Euro