Einige vermissen Anerkennung, andere Geld: Berlins Kinder- und Jugendtheater vermissen beides. Zumindest die fünf Vertreter, die am Montagnachmittag im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses eingeladen waren, um Auskunft zu geben über ihre Situation. Was das Publikumsinteresse und den künstlerischen Erfolg angeht, da gab es keinen Grund zur Klage. Die Besucher- und Auslastungszahlen bewegen sich auf einem hohen Niveau, Inszenierungen erringen regelmäßig Preise, Einladungen rund um die Welt gehören fast schon zum Alltag.
Und trotzdem sind die Bühnen von einer heilen Welt weit entfernt. Weil sie das Gefühl haben, dass ihre erfolgreiche Arbeit in Berlin nicht wertgeschätzt wird. Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) hörte sich die Ausführungen der Theaterleiter an, um am Schluss ganz politikergemäß – das hat der neue Mann schnell gelernt – ein bisschen Hoffnung unter Vorbehalt zu verbreiten. Er appellierte an die Abgeordneten, dass man gemeinsam bei den nächsten Haushaltsberatungen Wege für eine „bessere Ausstattung finden“ müsse, dazu „brauchen wir List, Tücke und gute Argumente“. Zuvor hatte er festgestellt, dass Berlin das Kinder- und Jugendtheater mit 11,3 Millionen Euro fördert, ein bundesweiter Spitzenwert.
Wolfgang Brauer (Linke) präsentierte eine einfache Rechnung: Die Bühnen hätten ungefähr die Hälfte der Zuschauer der Berliner Opernstiftung, die Zuwendungen machten aber nur acht Prozent des Opern-Etats aus. Dieser ebenso plastische wie gewagte Vergleich sorgte für Widerspruch bei der SPD und auch die CDU unterstützte ihren Koalitionspartner. Der CDU-Abgeordnete Stefan Schlede zeigte wenig Verständnis für den Wunsch des Parkaue-Intendanten Kay Wuschek, dass das Land die Tariferhöhungen zu 100 Prozent ausgleichen möge, weil ansonsten das Qualitätsniveau nicht zu halten sei. Schlede verwies darauf, dass der Zuschuss für das Theater an der Parkaue von 5,5 Millionen Euro (2012) auf 5,8 Millionen Euro im kommenden Jahr steigen würde und damit auch die Tariferhöhung ausgeglichen würde.
Nun ist das Theater an der Parkaue ein Sonderfall, nämlich ein Staatstheater. Während beispielsweise das Grips eine private Bühne ist. Was für die Mitarbeiter bedeutet, dass sie nicht an den Tariferhöhungen des öffentlichen Dienstes teilnehmen. 50.000 Euro, das ist die Summe, die Grips-Leiter Stefan Fischer-Fels im kommenden Doppelhaushalt (2016/17) gern zusätzlich für sein Haus haben würde, auch, um weniger für Erwachsene und wieder mehr für Kinder spielen zu können. Abendvorstellungen bringen allerdings mehr Geld in die Kasse.
Von einer „kolossalen Unterfinanzierung“ und „prekären Arbeitsverhältnissen“ sprach Thomas Sutter vom Musiktheater Atze, das vom Charakter her eher einem Stadttheater gleicht, aber mit 690.000 Euro Zuschuss auskommen muss. Er könne seinen Schauspielern nur 120 Euro brutto pro Auftritt zahlen, sagte Sutter.

