„Und du bist Musiker“, fragt sie ihn, und er zieht verlegen die Schultern hoch, was sie so deutet wie „irgendwie schon“. Die Frau schaut ihn fröhlich an: „Na, ohne Dich würde das hier ja gar nicht stattfinden.“ Der Norweger schaut sie kurz verblüfft an, als ob er die Dinge so noch nie gesehen hätte.
Eine gute Stunde später hat der zurückhaltende Karl Ivar Refseth eine interessante Wandlung vollzogen. Mit großer Ausgelassenheit und großer Kondition und stets wehendem blondem Haar arbeitet er sich an Xylophon und Schlagzeug ab wie man es das letzte Mal beim Tier in der „Muppet-Show“ gesehen hat. Er zählt zum erweiterten Kreis des Trios The Notwist. Zu sechst stehen sie an diesem Mittwochabend auf der Bühne im Heimathafen Neukölln. Es ist ein ausgesprochen schöner Abend: Wild, fröhlich, abwechslungsreich, der auch die eigenen Erwartungen übertrifft. Denn die Keimzeile von Notwist – die Brüder Markus und Micha Acher und Martin Gretschmann – besteht aus Tüftlern und Musik-Besessenen, und deren Auftritte waren früher zuweilen so spannend wie es eben ist, wenn man Zauseln bei der Arbeit zuschaut.
Nun ist die ganze Veranstaltung kein Augenschmaus für die Ewigkeit. Die Herren machen noch immer einen selbstgenügsamen, in sich gekehrten Eindruck, als hätte man sie gerade bei den Proben im heimischen Weilheim überrascht. Aber die Lichtshow ist gelungen, die Akustik, wie immer im Heimathafen, perfekt, und die Notwist haben mit „Close to the glass“, vor wenigen Tagen erschienen, ein verspieltes, poppiges, avantgardistisches Album herausgebracht.
Genauso ausgetüftelt sind dann auch die Arrangements der Songs auf der Bühne, zuweilen noisig wie bei My Bloody Valentine oder Dinosaur jr., die meisten sehr tanzbar wie auf einem Rave. Das gilt für „Kong“ und „Run run run“ vom neuen Album wie auch für „Pick up the phone“, und gegen Ende kommt nach zwei Stunden eine wunderbare Techno-Version von „Plane“. Es wird, wie immer, nicht viel geredet an diesem Abend: „Tausend Dank“, sagt Markus Acher gelegentlich nach einem Lied. Nichts da. Wir haben zu danken.

