Nachruf

„We shall overcome“: Sänger Pete Seeger ist tot

Andere verwandelten seine Songs in Popmusik

In San Francisco stand Bruce Springsteen auf der Bühne, die für einen Rockstar viel zu klein war; unter Kronleuchtern und zwischen Samtvorhängen sang der Boss vom Leid der Landarbeiter, über Streiks und Stürme. Über der Bühne hing ein Holzbrett, auf dem stand: „Bruce Springsteen – The Seeger Sessions“.

Mit seiner Wallfahrt wollte Springsteen an Pete Seegers Lebenswerk erinnern und daran, dass es ihn wirklich gab und er noch lebte. Als Pete Seeger 90 Jahre alt wurde, traten sie sogar noch mal zusammen auf. Zur Inauguration Barack Obamas, ihres neuen Präsidenten, stimmten sie am Lincoln-Denkmal Woody Guthries Nationalhyme „This Land Is Your Land“ an. Der Veteran der Volksmusik trug eine Zipfelmütze und ein Arbeitshemd, das Banjo hing am Strick um seine Schultern. So wird er den Amerikanern und dem Rest der Welt für immer im Gedächtnis bleiben. Am Montag, dem 27. Januar 2014, ist Pete Seeger in einem New Yorker Krankenhaus gestorben.

1919 war Pete Seeger in New York zur Welt gekommen. Er wuchs auf in einer Musikerfamilie, brach ein Studium der Soziologie in Harvard ab und sammelte, was überall im Land traditionell zur Arbeit und am Abend gesungen wurde. Offen schwärmte Seeger für die kommunistische Idee, was ihn in seiner folkloristischen Mission zurück warf. Das Komitee gegen unamerikanische Umtriebe verurteilte ihn, neben Arthur Miller, zu einer Gefängnisstrafe.

Eine Heimat boten ihm die Bürgerrechtsbewegungen der Sechziger. Hier wurden seine eigenen Songs gesungen und berühmt, bis sie von anderen in Popmusik verwandelt wurden, die Pete Seeger eigentlich als Opium fürs Volk verachtete. Marlene Dietrich sang sein „Where Have All The Flowers Gone?“ als „Sag mir, wo die Blumen sind“. Die Byrds spielten „Turn! Turn! Turn!“ und Trini Lopez zog mit „If I Had A Hammer“ in die Hitparaden ein. Pete Seeger war der singende Puritaner, die Lichtgestalt, der Friedensbotschafter, der Weise mit dem Banjo.

Seine Songs wurden gesungen, allen voran „We Shall Overcome“. So unvermeidlich und beflissen wurde „We Shall Overcome“ gesungen, bis kein Mensch mehr wusste, was wir eigentlich überwinden sollen.