Streit um Laudator Jürgen Rogge, der früher Stasi-IM war

Um den Gillhoff-Preis für niederdeutsche Literatur gibt es erneut Wirbel.

Die Vizepräsidentin des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern, Silke Gajek (Grüne), drohte am Montag mit einem Boykott der diesjährigen Preisverleihung, da der frühere Stasi-IM Jürgen Rogge die Laudatio halten soll. Rogge war der Gillhoff-Preis im vorigen Jahr von der Johannes-Gillhoff-Gesellschaft zuerkannt worden. Als seine Stasi-Vergangenheit publik wurde, gab es heftige öffentliche Kritik an der Auswahl. Schließlich verzichtete Rogge auf die Auszeichnung für seine niederdeutschen Dichtungen. „Es hat den Anschein, als sollte Herr Rogge rückwirkend doch noch geehrt werden“, empörte sich Gajek.

Üblicherweise benennt die Gillhoff-Gesellschaft den Vorjahrespreisträger als Laudator für den aktuellen Preisträger. Gajek forderte, dass statt Rogge der Preisträger des Jahres 2011, Wolfgang Kniep, die Ehrenrede auf den diesjährigen Preisträger Dietrich Sabban halten solle. Rogge hatte in den 1970er und 1980er Jahren die psychiatrische Abteilung des Haftkrankenhauses Leipzig geleitet und war Stasi-IME (IM im besonderen Einsatz). Indem er Berichte für das Ministerium für Staatssicherheit schrieb, verstieß er gegen die ärztliche Schweigepflicht, so Gajek.

Der Vorsitzende der Gillhoff-Gesellschaft, Hartmut Brun, hatte die Preisträger-Entscheidung 2012 im März verteidigt: „Für uns ist nach wie vor Dr. Rogge der Preisträger 2012.“