Die Diffamierung moderner Kunst durch die nationalsozialistische Diktatur in Deutschland wirkt bis heute nach. Im Rahmen einer Beschlagnahmungswelle wurden Tausende Kunstwerke aus Museen und Privatbesitz beschlagnahmt, nur ein Bruchteil davon kam in die Ausstellung „Entartete Kunst“, die 1937 in München stattfand. Viele Werke wurden verkauft, zerstört oder versteckt. Es war aber nicht nur diese materielle Enteignung der Kunst, sondern vor allem die nachhaltige Verfemung ihrer Schöpfer, die dafür sorgte, dass viele von ihnen, die zur Avantgarde der Moderne gehörten, bis heute vergessen sind. Das Zentrum für verfolgte Künste, das am Kunstmuseum Solingen gerade entsteht, setzt sich zum Ziel gegen dieses Vergessen zu arbeiten. Der Leiter des Museums Rolf Jessewitsch will Künstler, die heute bestenfalls in der zweiten oder dritten Reihe stehen, wieder in den Fokus der Öffentlichkeit holen. Die Ausstellung „Kunst in der Katastrophe“, die am 80. Jahrestag der Machtergreifung der Nazis im Bundestag eröffnet wurde, zeigt einige Beispiele.

Etwa Oscar Zügel. Der Maler gehörte in Stuttgart zur linken Opposition, schon 1933 wurden Werke von ihm aus einer Ausstellung entfernt und im Hof der Staatsgalerie Stuttgart verbrannt. 1934 ging er ins Exil. Der „Ikarus“ auf seinem Ölgemälde von 1935/36 stürzt in einem Farbstrudel ins bodenlos Schwarze. Die Formen lösen sich expressiv auf, alles zersplittert, im Hintergrund scheint bedrohlich ein Hakenkreuz auf. Auch Hans Feibuschs Bild „Elias’ Himmelfahrt“ ist von dramatischer Hoffnungslosigkeit geprägt. Den Juden gilt Elias als einer der wichtigsten Propheten nach Moses. Er soll lebend in den Himmel aufgefahren sein, doch die Pferde, die seinen Wagen noch auf Erden ziehen, erinnern an die sterbenden Pferde in Picassos Anti-Kriegs-Allegorie „Guernica“. Werke von Carl Rabus, Otto Pankok, Karoline Wittmann oder Eric Isenburger zeugen von dem ikonografischen Kampf der Künstler die Schrecken der Gewaltherrschaft und der persönlichen Verfolgung zu überwinden. Hubert Rüther ist das nicht gelungen. Er überlebte zwar Ausstellungs- und Malverbot, die Zwangsscheidung von seiner jüdischen Frau und die Zwangsarbeit während der letzten Kriegsjahre. Doch im Herbst 1945 beging er Suizid, er konnte seine Erlebnisse nicht mehr bewältigen.

„Kunst in der Katastrophe“, bis 5. März, Mo-Do 11 & 14 Uhr, Fr 11 Uhr, Bundestag, Paul-Löbe-Haus, Eingang West, Konrad-Adenauer-Straße 1, (Die Ausstellung ist nur nach vorheriger Anmeldung zu besichtigen, Tel.: 27-38883