Hermann Parzinger verteidigt eloquent den Umzug der Gemäldegalerie – Debatte vor dem Kulturausschuss

Die vier Herren der Preußenstiftung sind pünktlich. Sie tragen Anzüge, stehen vor dem Anhörungstisch, die entsprechenden Namensschilder zeigen etliche Professoren und Doktortitel an, und unterhalten sich. Sprechen vielleicht noch mal die Kommunikationsstrategie durch. In diesem Bereich ist in den vergangenen Monaten nicht alles „optimal gelaufen“, das wird Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, später vor dem Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses einräumen.

Auch das ein Grund, warum er mit drei weiteren Direktoren gekommen ist. Sie sollen die Pläne der Stiftung erläutern, die zu einer heftigen kulturpolitischen Debatte über die Zukunft der Gemäldegalerie, aber auch zu Missstimmungen geführt haben. Langsam füllt sich der Saal 376, die Opposition sitzt bereits, die Abgeordneten der Regierungskoalition treffen zuletzt ein. Und weil man die Herren nicht länger warten lassen möchte, wird die Aktuelle Viertelstunde gegen den Willen der Piraten verschoben und gleich mit der Anhörung begonnen. Für Parzinger steht fest: „Um einen Museumsneubau kommt man nicht herum.“ Für ihn stellt sich lediglich die Frage, wo der errichtet wird: Entweder auf dem Areal des Kulturforums am Potsdamer Platz oder gegenüber dem Bode-Museum, quasi die Erweiterung der Museumsinsel.

Ein bisschen Wunschdenken schwingt da schon mit. Denn nach der heftig geführten Diskussion über die Neuordnung der Berliner Museumslandschaft – die einen befürchten, dass die Alten Meister, also die Werke von Rembrandt und Co, auf Jahre im Depot verschwinden würden, andere sehen die Kunst des 20. Jahrhunderts stiefmütterlich behandelt, – hat die Preußenstiftung eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Die soll die Gemüter beruhigen und im Frühjahr 2013 vorliegen.

Vier Varianten prüft das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, die letzte ist nicht nach dem Geschmack der Preußenstiftung: Die sieht nämlich einen Verzicht auf einen Neubau vor und lotet aus, ob alles „in bestehenden Liegenschaften untergebracht werden kann“. Ein Geschenk stand am Anfang der Debatte. Das Sammlerehepaar Pietzsch will dem Land Berlin seine Kunstsammlung (20. Jahrhundert) unter der Bedingung schenken, dass die Bilder nicht im Depot verschwinden, sondern im „Kontext der Sammlung der Neuen Nationalgalerie“ (Parzinger) gezeigt werden. Die kann aber schon jetzt nur einen Bruchteil ausstellen, deshalb will die Stiftung eine Museum des 20. Jahrhunderts am Kulturforum einrichten. Entweder in der Gemäldegalerie oder als Neubau. Davon leiten sich die anderen Prüfungsvarianten ab. Erstens: Ein Neubau für die Alten Meister gegenüber dem Bode-Museum (Skulpturen und Gemälde sollen dann in beiden Häusern in eine Art Dialog treten), danach Umbau der Gemäldegalerie zum Museum des 20. Jahrhunderts. Zweitens: umgelehrte Reihenfolge, die Alte Meister würden dann einige Jahre im Depot landen - bis der Neubau fertig ist. Drittens: Ein Neubau für das Museum des 20. Jahrhunderts auf dem Areal des Kulturforums, die Gemäldegalerie würde dann ebenfalls dort bleiben.

Abgeordnete brachten noch andere Orte in die Diskussion ein wie die Museen in Dahlem (die ethnologischen Sammlungen sollen 2019 ins Humboldt-Forum ziehen) oder das Flughafengebäude bzw. -gelände in Tempelhof. Auch Tegel könnte irgendwann frei werden. Es scheint, dass die Diskussionen trotz Machbarkeitsstudie bis zum Frühjahr weiter gehen.