Berlin Art Week

Alles so schön bunt hier

In dieser Woche startet die neue „Berlin Art Week“ - was sich geändert hat, wo man hingehen sollte und warum das Gleisdreieck das neue Zentrum ist

Das von vielen ungeliebte Art Forum ist tot, es lebe nun die Berlin Art Week. So taufte der Senat die neue Kunstwoche, die vom 11. bis 16. September als Ersatz für die Messe taugen und so viel Galerien, Ausstellungshäuser und Museen wie möglich unter ein gemeinsames Dach bringen soll. 250.000 Euro lässt es sich das Land kosten. Schließlich will man Sammler aus aller Welt und eine bunte Kunstgemeinde zum herbstlichen Saisonstart hierher locken. In der Berliner Kunstszene haben sich bekanntlich ja nicht alle gleich lieb, aber zu diesem Termin zumindest gibt man sich geeint. Jeder der kann, öffnet mit starkem Programm. Institutionen wie die Akademie der Künste, Berlinische Galerie, C/O Berlin, Haus der Kulturen der Welt, die Kunstwerke sind mit von der Partie. Das Motto der Tage: Kunst von morgens bis abends. Unzählige Partys und Dinner-Einladungen inklusive.

Abc als experimentelles Format

Im Zentrum steht ganz klar die abc (Art Berlin Contemporary), eine Ausstellung mit Verkaufsoption, die am Donnerstag in der Station, ehemals Poststation, am Gleisdreieck eröffnet. Als das Art Forum dicht machte, rückte sie damit zum Highlight auf. Das Gesamtthema lautet, sehr dehnbar, „Berlin“. „Weil Berlins Kapital darin liegt“, sagt Alexander Schröder, Leiter der abc, „ein weltweit führender Produktionsstandort für zeitgenössische Kunst zu sein“. Messekojen gibt es freilich immer noch nicht, das Experimentelle steht weiterhin im Fokus, dafür ist aber der Kurator verschwunden. 127 Galerien werden insgesamt vertreten sein, junge wie etablierte, mit 136 Ein­zel­po­si­tio­nen, rund die Hälfte kommt aus Berlin. Junge Galerien wie soy capitan und Kraupa-Tuskany stehen locker neben Premium-Galerien wie Eigen + Art und CFA. Andere Galerien reisen an aus Wien, New York, Paris, Rom, auch aus Hongkong, Seoul und Dubai. Die Programme sind ausgewählt: Documenta-Star Theaster Gates, der in Kassel das Hugenottenhaus in eine aufregende und morbide Ruinen-Plastik verwandelt hat, ist bei Kavi Gupta aus Chicago vertreten. Auch ein anderer Documenta-Künstler ist dabei: Clemens von Wedemeyer, er lebt in Berlin und wird von der Galerie Kow in der Brunnenstraße gehandelt.

Und: Ein zweites Standbein der Kunstwoche ist die Preview Berlin Art Fair, die Messe präsentiert diesmal 57 internationale Galerien, 11 Projekträume und 8 Kunsthochschulen. Ort: Hangar 2, Flughafen Berlin Tempelhof. Auch die neu aufgestellte Berliner Liste ist dabei, in den Industriehallen des MUMA, sie versteht sie sich als Entdeckermesse. 120 Aussteller sind dort eingeladen.

Das Gelingen des Kunstherbstes hängt entscheidend davon ab, ob es abc gelingt, sich zum tragfähigen Messeformat zu entwickeln. Mit der Berufung von Maile Cruse als neue abc-Chefin im nächsten Jahr wird sich das Format weiterhin stärken. Cruse arbeitete bis 2008 für die Kunst-Werke in der Auguststraße und bis vergangenes Jahr als Kommunikationsleiterin der Art Basel und Art Basel Miami Beach. Das heißt, ihr Blick ist über den Tellerrand Berlins hin angelegt. Eines ihrer tollsten Projekte war die „Forgotten Bar“, das sie zusammen mit Freunden initiierte: In einem Kreuzberger „Wohnzimmer“ wurde jeden Abend eine „Ausstellung“ eröffnet - am nächsten Tag war sie wieder weg. Manches war unfertig, darin lag der Charme, Hunderte strömten in die Bar. Mal sehen, ob es bei der Berlin Art Week auch so gut läuft.