Musik

Flirt mit der Klassik

Für einen Moment verstummt das eben noch auf der Bühne erlebte ausgelassene Lachen. "In diesem Programm steckt eine tiefe Lebensphilosophie", sagt Angelika Bachmann, und auch unser erstaunt-irritierter Blick vermag die erste Geigerin des Quartetts Salut Salon nicht aus der Fassung zu bringen.

Nein, die Hamburgerin meint den Satz ganz ernst: "Wir möchten die Klassik Menschen nahe bringen, die bislang keinerlei Berührung mit dieser Musik hatten und gleichzeitig Klassikfreunde mit unseren Arrangements nicht verschrecken."

Und diesem Ziel widmet sich das Ensemble offenbar mit immer größerem Erfolg - andernfalls würden die vier Damen wohl kaum allerorten in Deutschland vor vollen Häusern spielen. Natürlich auch mit ihrem neuen Programm "Ein Haifisch im Aquarium", mit dem das Quartett am 14. und 15. Oktober im Admiralspalast gastiert.

Einmal mehr setzen die Virtuosinnen dabei auf die spielerische Verführung mit der Klassik und sprengen voll (musikalischem) Witz die Grenzen zwischen E- und U-Musik. "Selbst zu arrangieren, spontan zu verändern, zu improvisieren - das macht wahnsinnig Spaß", sind sich alle einig, und so bleibt denn weder Geigerin Iris Siegfried vom Auftritt als Sängerin verschont noch Pianistin Anne von Twardowski von einer Einlage als Puppenspielerin, hat Cellistin Sonja Lena Schmid ebenso ihr Solo mit einer Kammerversion aus Elgars berühmten Konzert wie die Primaria neben instrumentalem Können ihre Neigung zu höherem Unsinn beweisen darf.

"Eigentlich unfassbar, dass wir mittlerweile von dem Quatsch leben können", meint Gründerin Bachmann beim Rückblick auf zehn Jahre Salut Salon. Ähnlich unglaublich wie die Tatsache, dass sich mit ihr ausgerechnet eine Philosophin, die sich Zeit ihres Studiums intensiv den Werken des Logikers Ludwig Wittgensteins gewidmet hat, nun dem Klassik-Schabernack hingibt - oder nicht? Nein, sagt die 39-Jährige ganz ernst und nimmt dann einen der Kerngedanken ihres Lieblingsphilosophen zur Willensfreiheit auf: "Letztlich ist es doch ein Luxus, einen freien Willen zu haben und sein Leben so gestalten zu können, dass man emotional gut aufgehoben ist." Oder mit etwas einfacheren Worten formuliert: "Nur keine Verlässlichkeit, der Abend muss lebendig bleiben - das ist der Hauptgrund für unseren Erfolg." Bachmann fügt augenzwinkernd hinzu: "Hauptsache, wir amüsieren uns..." Nun, amüsieren tut sich auch längst nicht mehr nur das Publikum hierzulande, sondern ebenso Spanier, Italiener, Russen, Amerikaner, Chinesen und... Christian Wulff. Ja, der Bundespräsident schätzt Salut Salon mittlerweile so sehr, dass er jüngst vor den Damen sogar auf die Knie ging: Da war das Quartett nämlich ins Schloss Bellevue eingeladen, wo die beiden Gründerinnen Bachmann und Siegfried mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet werden sollten - für ihre Patenschaft für eine chilenische Musikschule und ihr Engagement für Kinder im Rahmen ihres Projektes "The Young ClassX" sowie ihres Kinder- und Jugendorchesters "Coole Streicher". Doch just, als Wulff der zweiten Geigerin die Verdienstnadel anstecken wollte, fiel diese zu Boden, das Staatsoberhaupt ging auf die Knie.

"Es muss immer eine Herausforderung bleiben - wenn es mich langweilte, würde ich etwas anderes machen"; so die Chefin. Noch indes besteht diese Gefahr nicht - ja, das Quartett hat bereits den Titel für ihr Abschiedsprogramm 2050 geplant: "Vier Engel für ein Halleluja"... Aber bis dahin ist ja noch Zeit. Wie wusste schon Wittgenstein: "Nur wer nicht in der Zeit, sondern in der Gegenwart lebt, ist glücklich."

Admiralspalast, Friedrichstr. 110, Mitte. Termine: 14. und 15.10., 20 Uhr. Tel. 47 997 499