Musical

Die wilde Frau Zucker von Neukölln

Mal ehrlich: Wer kann noch das Getue Rigolettos um seine Gilda ertragen? So etwas braucht niemand.

Was wir brauchen, sind Opern für Kinderhasser. Hänsel und Gretel kommt nicht in Frage, weil über hundert Jahre alt und kaum noch zeitgemäß. Also hat sich die Neuköllner Oper dieses vernachlässigten Genres angenommen. "Frau Zucker will die Weltherrschaft" verwandelt kleine Biester in große Erwachsene. Dazu genügt eine Duschkabine vollkommen. Und das Schönste: Man kann den Gören dabei die überschüssige Energie absaugen und derart Deutschlands Zukunft sichern. Denn die Energieproduktion eines Kindes entspricht 400 Millionen Tonnen Öl. Toll!

Peter Lund nennt sein neues Musical 'Ein Familiengrusical', aber richtig makaber wird es nicht. Frau Zucker und Dr. Giftig (hübsch hysterisch: Angela Bittel und Nadine Aßmann) kümmern sich mit Kuchen und Pillen um all jene Kids, die in der elterlichen Wohnung sowieso nur stören. "Frau Zucker", komponiert von Wolfgang Böhmer, ist gut auf den Neuköllner Songstil eingependelt, es wird sogar ein Hit geboten: 'Für alle das Beste' darf als soziologisch brisant gelten, geht es doch um die bequeme Abschiebung in Altenheim. Nach diversen Mutationen ist die Gerechtigkeit wieder halbwegs hergestellt. Kinderhasser gehen frustriert nach Hause.