Theater

Komödie über das Altern: Die letzte Liebe mit 80

Wer sich mit 80 noch einmal verliebt, ist schnell auf den Hund gekommen: Ohne Notlüge scheint es für Ralph nicht zu gehen, als er auf dem Hundespielplatz um die Ecke Carol trifft, die reizende Dame mit hässlichem Chihuahua. Schnell denkt sich der Charmeur einen "Rex" aus, damit das Gespräch nicht stockt - schon taut Carol auf.

Womit die Themen angeschlagen wären in Joe DiPietros Komödie "Carol und Ralph - Noch einmal verliebt", das nach dem Wiener Theater in der Josefstadt nun im Berliner Renaissance-Theater Premiere hatte. Denn die "Letzte Liebe", wie das Stück im englischen Original heißt, gibt es hier nur um den Preis kleinerer und größerer Lügen. Nicht Ralphs verhärmte und eifersüchtige Schwester Rose ist das Problem, an dem die aufkeimende Liebe zwischen der Lady und dem italienischen Einwanderersohn zu scheitern droht. Sondern Carols Geheimnis. Dass die charmante Geschichte zwar ihre ernsten, melancholischen Momente besitzt, im Ganzen aber ziemlich komisch ist, liegt an den pointierten Dialogen, die in ihren besten Momenten an die "Golden Girls" erinnern: "Mir bleibt nicht mehr viel Zeit", sagt Ralph, als Carol sich über sein beherztes Rangehen wundert. "Wieso, sind Sie krank?" - "Ich bin 80!" Kracher sind das, keine Kalauer, auch deshalb, weil Otto Schenk und Christine Ostermayer ihre Figuren weich abfedern: Immer bleiben sie warm schattierte Persönlichkeiten, beglaubigt durch viele Jahrzehnte an Bühnen- und Lebenserfahrung.

Hat man sich erst einmal an Schenks italienischen Akzent gewöhnt, macht der Zusammenprall der Kulturen Spaß: Wie Carol, die in Kostüm und Glacéhandschuhen immer Dame bleibt, allmählich auftaut, wie Ralph, der anfangs vor allem rumwitzelt, äußerst verletzlich wird, ist ebenso spannend wie die herzhaften Auftritte Roses (die wunderbare Ingrid Burkhard). "Carol und Ralph" ist auch eine Geschichte über verpasste Chancen - und eine Liebeserklärung an die italienische Oper: Da sei alles schöner als im wirklichen Leben, sagt Ralph einmal, und zu den berührendsten Momenten gehört, als er von seinem Vorsingen an der New Yorker Met erzählt, damals, als junger Mann (wo Otto Schenk, so der Besetzungs-Coup, mehr als einmal inszenierte), während hinten Weinhappel eine "Bajazzo"-Arie anstimmt. Vielleicht hätte er eine Karriere-Chance gehabt, aber das Leben "kam dazwischen" - wie so oft.

Renaissance-Theater , Charlottenburg, Knesebeckstraße 100, Karten: 312 42 02, wieder 6.-11. und 16.-19.10.