Seit der Trennung 1980 hat sich Plant konsequent seiner Solokarriere gewidmet, fand zu einem eigenen, vom Geist Led Zeppelins ebenso wie von amerikanischem Blues und Country beeinflussten Stil. Nun steht er mit seiner neuen Gruppe Band of Joy vor 6000 Besuchern auf der Bühne der Spandauer Zitadelle. Plant eröffnet den sommerlichen Abend mit "Black Dog", dem Zeppelin-Klassiker von 1971. Doch hier wird nicht einer gloriosen Vergangenheit gehuldigt. Dieser "Black Dog" kommt auf kräftigen Pfoten daher, schlurft im räudigen Countryrock-Pelz durch die Sümpfe des Mississippi. Das angejahrte Stück beginnt von neuem zu leben.
Auf der Zitadellen-Bühne stehen versierte Countryhaudegen aus Tennessee und Texas, denen man die Liebe zur Musik noch von Ferne ansieht. Hier gibt es keine Show, keinen Bühnennebel, keine ausgefeilte Lichtregie und schon gar keine Videowände. Auch die Lautstärke ist eher dezent. Es scheint, als ob sich ein paar Freunde getroffen haben, um im Wohnzimmer gemeinsam ihren Lieblingsliedern zu huldigen. Der 62-jährige Robert Plant steht in Jeans und Schlabberhemd locker in der Bühnenmitte. Er trägt noch immer die wallend blonde Mähne, mitunter bricht der routinierte Rock-Poseur durch, der breitbeinig das Mikrofonstativ schwingt. Allein acht Stücke sind Songs seiner alten Band, darunter "House Of The Holy" und "Ramble On". Daneben gibt es Lieder vom neuen Album wie den Richard-Thompson-Song "House of Cards" und Titel seiner zehn Soloalben. Robert Plants Stimme ist intensiv und eindrucksvoll. Er weiß sein grelles Organ klug einzusetzen, hält sich von höheren Oktaven fern. Und blättert ein wohltönendes Songbook auf, das immer wieder durch eigenwillige Interpretationen überrascht, wie bei der düsteren Low-Coverversion "Monkey" mit sphärischen Pedal-Steel-Sounds. Ein großer Abend.
pem

