Film

Es ist nicht leicht, ein Macho zu sein

Es ist "Ladies Night" in einem Multiplexkino am Potsdamer Platz, und die Damen erhalten zusätzlich zur Eintrittskarte eine Mischung aus Prosecco und Limonade, ein Duftpröbchen sowie ein Gesellschaftsmagazin. Ein Magazin, mit dem Til Schweiger offenbar nicht über Kreuz liegt, denn es ist ein Interview mit ihm darin abgedruckt.

Obwohl, so schlimm ist es ja gar nicht. Schweiger mag die Medien ja schon. Nur die Kritiker aus dem Feuilleton nicht. Und deshalb lässt er es nicht zu - wie sonst bei jedem Kinowerk üblich -, dass sie seine Filme vorab in Presse-Vorführungen zu sehen bekommen.

Das ist irgendwie ganz rührend. Denn offensichtlich billigt der Schauspieler, Regisseur und Produzent den Kulturteilen der Zeitungen eine Rolle zu, an der sie in Zeiten der zunehmenden Unterhaltungsverflachung und Internet-Konkurrenz ernsthaft zu zweifeln begonnen haben: Dass die Kunstrichter darüber bestimmen können, was das Publikum sehen und hören soll und somit über das kommerzielle Wohl und Wehe von Veranstaltungen entscheiden. Das mag bei den Randsparten vielleicht noch zutreffen. Aber fürs Kino?

Til Schweiger müsste es spätestens seit diesem Jahr besser wissen. Sein Klamauk "1 ½ Ritter" wurde trotz nachträglicher Verrisse zu einem Kassenschlager, wohingegen das von der Kritik sehr gelobte Drama "Phantomschmerz" mit Schweiger ein ausgesprochen überschaubares Publikum anzog. Das Problem scheint ja auch eher darin zu liegen, dass sich Schweiger nicht ernst genommen fühlt - beziehungsweise Lob dafür erwartet, dass er Millionen Menschen glänzend zu unterhalten versteht.

Natürliches Gespür für Peinlichkeit

Das Seltsame ist jedoch: Wenn man nun als Kritiker "Zweiohrküken" sieht - inmitten der sehr netten, plörreschlürfenden weiblichen Zielgruppe - dann gewahrt man einen Schweiger, der sich enorm damit abmüht, für lächerlich gehalten zu werden. Dafür schmiert er sich unter anderem Falten-Creme ins Gesicht, trägt den hässlichsten Schlafanzug der Welt, hat kurz mit Impotenz zu kämpfen und schlüpft, damit auch wirklich jeder sieht, dass der Mann Spaß versteht, in Frauenkleider. Dabei, und das soll als Kompliment verstanden werden, sieht Schweiger keineswegs verrunzelt aus oder wäre nur als Drag-Queen lustig. Es ist deshalb alles ein bisschen krampfig.

Das fällt vor allem im Kontrast mit Schweigers Gegenpart Nora Tschirner auf. Die spielt wie schon im Vorgänger "Keinohrhasen" mit einem natürlichen Gespür für jede erdenkbare Peinlichkeit. Ähnliches gilt für Matthias Schweighöfer, dessen Rolle arg beschnitten wirkt - immerhin darf er in der wohl einprägsamsten Szene des Films eklige, Freunde des Fäkalhumors erfreuende Sachen anstellen. Und dass Vater Schweiger keine Chance gegen sein wunderbares Töchterlein Emma Tiger hat, das weiß man ja schon seit "Keinohrhasen".

Überhaupt muss man ja auch den Mut bewundern. Denn im Regelfall haben romantische Komödien keine Fortsetzung. Was sollte man denn da auch zeigen? Dass das Paar, das nach einigen Irrungen und Wirrungen glücklich zueinander gefunden hat, sich langsam in der Banalität des Alltags verliert - zwischen Schmutzwäsche, nicht weggebrachtem Müll und aufkeimender Eifersucht? Genau das trauen sich die Drehbuchautoren Schweiger und Anika Decker. Mit dem Resultat, dass man sich stellenweise an Leander Haußmanns "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken" erinnert fühlt. Bei aller Holzschnittartigkeit, das muss hinzugefügt werden, erhebt sich das "Zweiohrküken" dennoch über die dürren Ebenen des Mario-Barth-Humors.

Obwohl wahrscheinlich viele Zuschauer "Zweiohrküken" aus den gleichen Gründen mögen werden wie Barth. Hier wie da geht es um die Verteidigung eines althergebrachten Männer-Bilds gegen die Wirren der aufgeklärten und deshalb so anstrengenden Gegenwart. Schweiger und Decker fallen dazu oftmals die eleganteren Lösungen ein: Etwa, wenn Anna (Tschirner) ihrem Ludo (Schweiger) als Versöhnung nach einem Streit anbietet, dass er so viel Fleisch ohne Bio-Siegel kaufen darf, wie er will. Oder wenn der Beziehungsstress der beiden stellvertretend mit sich prügelnden Tierpuppen ausgetragen wird.

Man kann Schweiger das ehrliche Bemühen nicht absprechen, originelle Lösungen für das zu finden, was dem Publikum so Freude bereitet. Es wird gepupst und auf dem Klo gesessen, es gibt auch große Brüste und einen mächtigen Penis zu sehen. Aber immer wieder überraschen die Kontexte. Stellvertretend sei die Anfangsszene erwähnt, die eine Männerphantasie so absurd überhöht, dass sie zu purer Satire wird.

Zwischen Prosecco und Limonade

Natürlich muss man das Küken im Nest lassen. Der Film ist trotz einiger gelungener Dialoge zu lang, tritt oft auf der Stelle, ist von der Handlung her schlecht verfugt und hat Gaststar-Auftritte von Heiner Lauterbach und Uwe Ochsenknecht, die im Vergleich zu Jürgen Vogels spektakulärem "Keinohrhasen"-Einsatz eher lahm sind.

Was am meisten stört, ist der verhohlene Intellektuellen-Hass. Warum müssen eigentlich in solchen Filmen immer alle Menschen mit Hochschul-Abschluss als blöde Streber dargestellt werden, denen man mal so richtig die Fresse polieren sollte? Es bleibt zu hoffen, dass Schweiger irgendwann mal seinen Frieden mit dem Feuilleton schließt. Welches ihm übrigens nie den Krieg erklärt hat, und es auch jetzt, das fragwürdige Duftgemisch von Prosecco mit Limonade in der Nase, nicht tut.