Denn natürlich ist der "Jedermann" von Hugo von Hofmannsthal, der 1911 im Berliner Zirkus Schumann uraufgeführt wurde, vor allem eines: ein Wiederholungs-Exzeß. Und wer kein exzessiver Wiederholungs-Künstler ist, sollte es bleiben lassen.
Deshalb gehört die neuigkeitsverliebte Besetzungs-Diskussion zum Ritual auch der Berliner "Jedermann"-Festspiele, die Produzentin und Regisseurin Brigitte Grothum nun zum 18. Mal auf die Beine stellte. Und weil die Besetzung einfach nur stimmt und auch sonst nichts stört, darf wieder erbaulich nachgedacht werden.
Star des Abends ist Georg Preuße; und die Neuzugänge, als ungefährlich rosafarbene Barbie-Buhlschaft das Ex-"Luder" Jenny Elvers-Elbertzhagen und GZSZ-Darsteller Daniel Fehlow als "guter Gesell", spielen sich nicht ins Rampenlicht. Teufel, Tod und Mammon stehlen niemand die Show, setzen aschfahle bis grellbunte Akzente. Brigitte Mira, die wieder als Jedermanns Mutter auftreten sollte, fällt aus gesundheitlichen Gründen zunächst aus (ihren Part übernimmt Hannelore Zeppenfeld).
Grothums Jedermann ist an seinen Rändern scharf konturiert: Exaktes Spiel der Statisten, das sei einmal gesagt, ist schon die halbe Miete. Das Musik-Potpourri wirkt manchmal etwas beliebig, doch die mit Mikrophonen verstärkte Akustik, in früheren Jahren oft zu laut, bändigt die Überakustik des Raumes angenehm klar. Entsprechend gedämpft die Kostüme von Gerhard Kropp und Michael Fischer: Das Schrille, pastellfarben abgefedert, kann jederzeit ins Komische kippen oder ins bösartig Feige (wie beim dicken und dünnen Vetter, Horst Pinnow und Wolfgang Bahro).
Was einzig gellt und gellen muß, ist das große Mißverhältnis "Geld". Grothum, die selbst als "Glaube" auftritt, muß hier nicht grob ins Neudeutsche übersetzen: Der Vorwurf, den der Reiche dem Bettler macht, klingt auch so wie "Mitnahme-Mentalität".


