Berliner Kritiken

Krude Mischung zwischen Varieté und Livekonzert

Ulrike Borowczyk

Herrje! Man sollte sich im Varieté die Augen reiben, wenn man staunt oder verblüfft ist. Aber nicht, weil man ein Déjà-vu erlebt. Doch Gilles le Leuch stand bereits wiederholt in seiner Paraderolle als verhuschter Butler Antoine auf der Bühne des Wintergarten Varietés, so dass man sich glatt in einer anderen Show wähnt.

Was nicht das schlechteste wäre, denn die neue Produktion des Hauses ist alles andere als unterhaltsam. Dabei hat Regisseur Stefan Warmut gleich zu Beginn Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Einspielfilmchen Worte in den Mund gelegt, die sie so natürlich nie gesagt hat: "Lebe wild und gefährlich!".

Leider wird das Motto nicht umgesetzt. Im Mittelpunkt der neuen Show "Mark Scheibes Wilde Bühne" steht Mark Scheibe mit seinem Orchester und daran krankt der Abend, der sich nicht entscheiden kann zwischen einem Live-Konzert und Varieté. Herausgekommen ist eine krude Mischung: Vor einem retroschicken Fifties-Big-Band-Ambiente mit Frontmann Scheibe am Flügel und zwölfköpfigem Orchester gibt es auch noch ab und an ein wenig drittklassige Artistik.

Mark Scheibe hat sich mit seinem Orchester in der Stadt regelrecht hochgekultet. Zunächst mit seiner "Berlinrevue" im Admiralspalast, dann als Bandleader des RBB-Talks "Dickes B.". Doch der Musiker hat nicht die Entertainer-Qualitäten eines Moderators und ist als solcher eine glatte Fehlbesetzung. Es genügt nun mal nicht, ein sympathischer Kerl zu sein, der prima funky und jazzy Klavierspielen kann. Man muss auch verbal eine pointierte Rampensau sein - ohne sich permanent zu verhaspeln.

Wintergarten Varieté , Potsdamer Str. 96, Tiergarten. Tel. 58 84 33. Termin: Bis 29.1.