Er kann also auch anders. Heino Ferch, der "deutsche Bruce Willis", als zögerlicher Schwächling: Das ist wirklich einmal eine gute Casting-Idee. Ferch spielt Hans Kuhlke, einen Ost-Berliner "Plastefuger". Kein Held, sondern ein intellektuell beschränkter Zauderer. Kuhlke wurschtelt sich durch, mit bescheidenem Erfolg. Er ist begrenzt ehrlich, seinen Vorgesetzen, seiner Frau und sich selbst gegenüber. Nicht aus bösem Willen, sondern aus dem Bauch heraus. Bis sich alles ändert, in der Nacht zum 13. August 1961.
Heino Ferch spielt die Hauptrolle im Fernsehfilm "Die Mauer - Berlin 61". Produziert hat den Film die Firma Teamworx, die unter anderem mit zeithistorischen Spielfilmen wie dem ZDF-Bombenkriegsdrama "Dresden" zuletzt für sensationelle Einschaltquoten gesorgt hatte, zugleich aber bei den meisten Kritikern für lautstark verkündete Empörung.
"Die Mauer" jedoch macht es schwierig, die sorgsam gepflegten Feindbilder von Ferch und Teamworx aufrecht zu erhalten. Denn Regisseur und Drehbuchautor Hartmut Schoen hat ein Kabinettsstückchen abgeliefert. Einen Film, der genau so in der Realität hätte passieren können, der keinen Helden hat und kein Happy End. Und der weithin bekannte zeithistorische Ereignisse erstmals in einem fiktionalen Film verarbeitet.
Schon die Ausgangslage ist verwickelt. In Ost-Berliner Häuserruinen klaubt Kuhlke Kupferreste auf und schmuggelt sie nach West-Berlin, um sie dort für D-Mark zu verkaufen. Doch dann verliert er bei einer der üblichen Stasi-Kontrollen in der (noch) Gesamt-Berliner S-Bahn die Nerven und flüchtet, lässt aber seine Tasche mit dem Kupfer zurück - und Hinweisen auf seine Identität.
Am selben Abend gehen Kuhlke und seine Frau Katharina (Inka Friedrich) zu einer Feier in West-Berlin; den gemeinsamen Sohn überlassen sie der Obhut einer Nachbarin. Doch just in dieser Nacht überrascht sie die Nachricht vom Bau der Sperranlagen entlang der Sektorengrenze. Sie sind im eingemauerten, aber freien Westen, ihr Sohn im unfreien Osten. Nun erst beichtet Hans seiner Frau, dass sie nicht einfach zurück können in den Ostteil Berlins, weil er dort sofort als Schmuggler festgenommen werden würde.
Das Drama, das Schoen angenehm undramatisch inszeniert hat, nimmt seinen Lauf. Die Kuhlkes versuchen, schwimmend in den Osten zu kommen, um ihren Sohn zu holen. Dabei werden sie fotografiert und in West-Berliner Zeitungen als "Republikflüchtlinge" vorgestellt. Sofort stellt die SED die vermeintlichen "Rabeneltern", die in den Westen geflüchtet seien, an den Pranger.
"Die Mauer - Berlin '61" ist insgesamt eine gelungene Fernsehadaption des zuvor unvorstellbaren Unterfangens, eine Großstadt in der Mitte zu zerschneiden. Und Heino Ferch als Schwächling ist allein schon sehenswert.
Die Mauer - Berlin '61
: Arte, heute, 20.45 Uhr; ARD, 4.10., 20.15 Uhr

