Die Soli kommen auf der Gitarre vielleicht nicht so überkandidelt rüber wie im Original. Streckenweise sind sie sogar technisch versierter. Aber sonst - der Habitus, die Art und Weise, wie Dweezil seinen Mitmusikern den Einsatz gibt: ganz der Papa.
Ganz der Zappa, muß man sagen. Dweezil Zappa ist der Sohn der 1993 von uns gegangenen Rock-Ikone Frank Zappa. Mit zwölf stand der heute 36jährige erstmals mit seinem Vater auf der Bühne. Die schwierige Rolle, Sproß eines weltberühmten Bürgerschrecks zu sein, meistert Dweezil mit Bravour. Längst ist er selbst ein geachteter Gitarrist.
Unterwegs auf einer "Tour de Frank", will er das imposante Werk seines Vaters wieder in Erinnerung rufen. Was nicht einfach ist: Ursprünglich wollte er schon im Herbst mit seinem Bruder Ahmet, der Frank Zappas Gesangsparts übernehmen sollte, in Europa spielen. Die Tournee platzte. Jetzt ist Dweezil der einzige Zappa unter zehn Musikern auf der Bühne. Das Tempodrom ist nicht ausverkauft. Dweezil möchte, daß sich auch junge Leute für Zappa begeistern. Doch lange Mähnen und Rauschebärte, an denen der Zahn der Zeit sichtbar genagt hat, prägen das Bild im Publikum. Zappas Anhängerschaft bleibt eine geschlossene Gemeinde. Zu unübersichtlich, zu zynisch, zu satirisch, zu komplex ist diese Musik, als daß sie heute die Massen begeistern könnte.
Einer Höllentour gleichen denn auch die mehr als drei Stunden, in denen sich Dweezil und Kollegen durch ungerade Rhythmen, schräge Soli, wilde Grooves und vertrackte Arrangements kämpfen. Ein halbstündiger Film aus einem Zappa-Konzert von 1973 hat den Abend eingeleitet. Napoleon Murphy Brock, damals im Club Roxy für Gesang, Saxophon und Flöte zuständig, steht jetzt auch live auf der Bühne. Seine voluminöse Stimme, etwa bei "Florentine Pogen" klingt so grandios wie vor 30 Jahren, auch bei Frühwerken aus Zeiten der Mothers of Invention übernimmt er den Gesang.
Brock ist nicht der einzige Musiker aus Frank Zappas diversen Bands an diesem Abend. Terry Bozzio singt mit dem Elan von einst den Punksong "I'm So Cute" und steuert zu "The Black Page" sein legendäres Drum-Solo bei. Steve Vai, der "Stunt-Gitarrist", der Dweezil die ersten Griffe lehrte, liefert sich packende Saitenduelle mit dem ehemaligen Schüler. Das begeistert nicht nur die "Frankophilen". Und doch erscheint das Programm, als sei es Ende der siebziger Jahre eingefroren und gerade wieder aufgetaut worden. Nicht nur, was Zappa später machte, auch die Sketche der Mothers, die Ausflüge in Jazzrock, Klassik und Avantgarde fehlen. Man vermißt sie nicht wirklich. Das Wagnis, alle Aspekte aus mehr als 70 Platten an einem Abend zu berücksichtigen, ging selbst Frank Zappa nie ein.

