Sie waren, gelassen ausgesprochen, eine Horde musikverliebter Hippies, mit einem Dylan-, Kinks- und Stones-infizierten Kunststudenten als Anführer. Sie spielten einen eher biederen, dafür einfachen und gradlinigen Rock, der ankam. Doch es waren vor allem die Texte von Wolfgang Niedecken, diese Zustandbeschreibungen bundesdeutscher Alltäglichkeiten und Zwiespältigkeiten, Kiezimpressionen und Lebenswelten, die überzeugten. Und das, obwohl deren Verständlichkeit jenseits der kölschen Dialektbarriere eher eingeschränkt war. Die Mundart-Rocker von Bap spielten sich dennoch bundesweit an die Spitze und meißelten sich mit Songs wie "Verdamp lang her" oder "Kristallnaach" ins deutsche Rockmusikgedächtnis.

Längst ist Bap gleichbedeutend mit Frontmann Wolfgang Niedecken, diesem so scharfsinnig beobachtenden Zustandsbeschreiber und Geschichtenerzähler. Von der Urbesetzung ist außer ihm keiner mehr in der Gruppe, die nun auf der Bühne im ausverkauften Tempodrom so herzlich hofiert wird. Freilich ist diese Besetzung auch schon wieder seit gut sieben Jahren zusammen. Und feiert nun mit einem Best-of-Bap-Programm den 30. Geburtstag einer schon legendären Kultband. Auch bereits 20 Jahre auf dem Buckel hat "Wahnsinn", das Kneipenstück, das am Anfang dieses Abends steht. Es ist der Auftakt einer Tournee, die Bap in den kommenden Monaten durch mehr als 100 Städte führen wird.

Diese Band rockt, brettert von "Waschsalon" zu "Ahl Männer, aalglatt", gibt alten Liedern mit neuen Arrangements frisches Leben. Niedecken singt lustvoll angeheisert, schwingt die E-Gitarre in Springsteen-Pose, umarmt seine Songs wie eine Horde liebgewonnene Kinder - und sein Publikum gleich mit. Das geht quer durch alle Altersgruppen und ist vom ersten Ton an auf seiner Seite. Und kann die meisten Kölschen Texte echt auswendig. Und weil's ja eine Jubiläumstour ist, hat man sich - wie schon auf der im vergangenen Jahr erschienenen Jubiläums-Doppel-CD - Gäste eingeladen. Bei "Fortsetzung folgt" singt Niedecken mit Nino Skrotzki von der Berliner Band Virginia Jetzt! im Duett, später taucht bei "Widderlich" H-Blockx-Frontmann Henning Wehland mit ein und für einen wunderschönen Moment sorgt Schauspielerin und Sängerin Meret Becker, als sie die Ballade "Paar Daach fröher" veredelt, leider von einem etwas unhöflichen Geräuschpegel aus dem Auditorium begleitet.

Andere Stücke wiederum wie "Ahnunfürsich" oder Niedeckens zeitgeschichtliche Bap-Rückschau "Dreimohl zehn Johre" werden von der Berliner Geigerin Anne de Wolf, bekannt durch Rosenstolz und Poems For Laila, gestreichelt, bevor die Band wieder aufs Gaspedal drückt mit "Nemm mich met", "Kristallnaach" und dem vorerst finalen "Alexandra, nit nur du", bei dem Gitarrist Helmut Krumminga nach zwei satten Spielstunden noch mal so richtig in die Vollen gehen kann. Aber ein Bap-Konzert wäre kein Bap-Konzert ohne die Zugaben, die für sich schon auf Konzertlänge ausufern. Bei der ersten, "Rövver nach Tanger", kehrt H-Blockx-Henning erneut zurück ins Rampenlicht, und später singen mehr als 3000 Stimmen unisono mit bei der Rockhymne "Verdamp lang her". Das Tempodrom vibriert bis in die Dachspitzen. Die Fans sind glücklich, die Kölsch-Karawane zieht weiter. Maat et joot.