Die Botschaft der Liebe überwindet alle Grenzen

Jeden Morgen überwindet der Mann aus Isfahan (Tuncay Gary) drei Stufen der Migration.

Jeden Morgen überwindet der Mann aus Isfahan (Tuncay Gary) drei Stufen der Migration. Ein fast verzweifelter Versuch, das Anderssein und das innere Gefühl der Fremdheit unter grauem deutschem Himmel zu überwinden. Er will einfach in der Menge untergehen. Doch wenn er etwa wie ein Tourist durch ein Museum flaniert, tauchen vor seinem inneren Auge die Wandmalereien des Palastes Tschehel-Sotun auf, dem atemberaubenden Monument seiner persischen Heimatstadt. Erotische Frauenbilder. Er sieht ihr Schweigen und hört den Schrei in ihrem Herzen.

Ganz anders sein Freund, der Bayer in Norddeutschland (Richard Gonlag). Er vernimmt beim Anblick der Fresken Blätterrauschen in einer Sommernacht. So unterschiedlich die Wahrnehmungen auch sein mögen, beide Männer kommen zum Schluß, daß Liebesgeschichten sich nie verändern werden. Und, daß sich jeder Mensch über die Besonderheit seiner Einsamkeit definiert.

Mit "An einem Herbsttag im irgendwo" hat der französisch-iranische Regisseur Pedro Kadivar ein monologlastiges, aber sehr kluges Stück über Immigration und Liebe ersonnen und inszeniert. Mit ein paar Lichteffekten, etwas Musik, Bildprojektionen und ganz auf die Präsenz der Schauspieler setzend, deren teils philosophische Ausführungen wunderbar mit Mschatta-Fassade im Museum für Islamische Kunst korrespondieren.

Sorgt der Iran aktuell permanent für Negativ-Schlagzeilen, erinnert die Aufführung an die andere Seite des Orients: an gastfreundliche Menschen und ihre faszinierende Kultur. Jeder ist allein auf dieser Welt und ein Immigrant. Immer. Irgendwo. Durch die Geburt auf der Erde, durch Umzug im eigenen Land, in der Ferne. Aber es gibt eine universelle Sprache, die alle verbindet - die Liebe.

Museum für Islamische Kunst (Zugang: Ehrenhof des Pergamonmuseums), Am Kupfergraben, Mitte. Tel.: 20 90 54 01. Termine: 24.-26.2., 20 Uhr.

boro