Niemand kleidet sich beim Brüllen und Gitarrespielen in verqualmten Mehrzweckhallen so geschmackvoll wie Paul Weller. Diesmal kombiniert er Seidenschal und Sweatshirt und trägt dazu eine helle Sommerhose über spitzen Schuhen. Es gab früher Menschen, die ihn im Konzert besuchten, weil sie die Garderobe mehr als seine Lieder mochten. Vielleicht wird Musik im Popgewerbe überhaupt oft überschätzt.

Es kann aber auch sein, daß Weller sich so auffallend gut anzieht und so gern darüber spricht, weil er nur noch in Ruhe musizieren will. Das legt sein Gastspiel nahe anläßlich der neuen Platte "As Is Now".

Im Grunde legt er wenig Wert darauf, was seine Zuhörer von diesen Stücken halten. Weller spielt sie eher für sich. Eine altväterliche Rockmusik. Die hat sein angestammtes Publikum - sich balgende, betrunkene Mods - vergrault. Nun sieht er sich dem artigen Konzertbesucher gegenüber, der wie er den handgemachten Rock zu schätzen weiß. Es ist Paul Weller recht. Lieber 2000 davon, als 200 Snobs, die seine Schuhe diskutieren und verlangen, daß er lieber Lieder aus den siebziger Jahren von The Jam und aus den Achtzigern vom Style Council zum Besten gibt.

An diesem Abend ist das Stilvorbild aus Woking also angelangt in jenem Paradies, das jeden Musikanten locken sollte. Er spielt, was und wie er will, und viele Leute hören trotzdem oder gerade deshalb zu und spenden Beifall. Alte Songs spielt er, vor allem viele mittelalte aus den Neunzigern wie "Wild Wood" oder "Out of Sinking", und fast die gesamte neue Platte. So durchmißt man die Musikgeschichte, in der Weller heute kreist. Vom Gospel über einen pubtauglichen Rhythm & Blues zur Folkballade. Und wieder von vorn.

Im Überschwang, wenn Weller mit den Füßen aufstampft und am Hals seiner Gitarre rüttelt, werden viele Stücke bis zur Kenntlichkeit verrockt. Dabei fällt auf: Seit sieben Jahren bringt Paul Weller wieder Songs zustande, die so stilvoll an ihm wirken wie sein Schal oder die Schuhe.

Michael Pilz