Mann mit Grundsätzen

Als Hans Wallenberg im Frühsommer 1945 in Berlin im Auftrag der amerikanischen Militärregierung die "Allgemeine Zeitung" gründete, kabelte er hocherfreut an seine Vorgesetzten: "Es geht großartig; die deutschen Redakteure arbeiten begeistert mit; einer der fleißigsten und intelligentesten ist ein 17jähriger Halbrusse. Er ist als Redakteur und Reporter tätig und arbeitet Tag und Nacht."

Kurz danach lernte ich diesen jungen Mann kennen. Er hieß Peter Boenisch.

Später, als Wallenberg in Nachfolge von Hans Habe die Chefredaktion der "Neuen Zeitung" übernahm, folgte ihm Boenisch nach München. In diesem Blatt, in dessen Redaktion er auch Stefan Heym kennenlernte, war Boenisch hauptsächlich Lokalreporter. Nebenbei half er den Deutschlandkorrespondenten von "Newsweek" und der "New York Times".

Schon im Jahr 1949 wechselte Boenisch zu der gerade gegründeten "Schleswig-Holsteinischen Tagespost" nach Rendsburg. 1952 wurde er persönlicher Public-Relations-Referent des NWDR-Intendanten Adolf Grimme.

Nachdem er bei "Kindler und Schiermeyer" Illustriertenredakteur geworden war, gründete er dort die Jugendzeitschrift "Bravo".

1959 rief ihn Axel Springer in seinen Verlag, den er von nun an als seine "journalistische Heimat" betrachtete. Da auch ich diesem Hause angehörte, vertiefte sich unsere Freundschaft.

Peter brachte zunächst einige Sondernummern der "Berliner Illustrirten" heraus und arbeitete an einem Europa-Projekt, das allerdings nicht verwirklicht werden konnte.

Im Jahre 1961, wenige Monate nach dem Bau der Berliner Mauer, wurde Boenisch zum Chef von "Bild" berufen, ein Jahr später übernahm er auch die Leitung von "Bild am Sonntag". 1971 berief der Verleger den begabten Journalisten in die Holding seines Zeitungshauses, die Axel-Springer-Gesellschaft für Publizistik. Sieben Jahre später wurde er Vorsitzender der Chefredaktion der "Welt" und versuchte, dieser Zeitung den Ruf zu nehmen, stur konservativ zu sein.

1983 holte ihn Helmut Kohl als Regierungssprecher in sein erstes Kabinett. Im Jahre 1986 ging er zum Burda-Verlag und wurde dort für den Bereich Journalismus tätig. Von 1999 bis 2001 gehörte er dann dem Aufsichtsrat der Axel-Springer AG an.

Immer wieder haben wir uns in all diesen Jahren getroffen. Er war ein Charmeur, aber er hatte Grundsätze. An die eventuelle Wiedervereinigung Deutschlands glaubte er so zuversichtlich wie sein Mentor Axel Springer. Aber er war auch unermüdlich für die Herstellung der Demokratie in Rußland tätig, bis fast zu seinem letzten Lebenstag, zum Beispiel für den "Petersburger Dialog". Ebenso lag ihm aber auch das transatlantische Verhältnis am Herzen. Er war wohl öfter im Weißen Haus zu Besuch als irgendein anderer aus der Führungsriege des Hauses Axel Springer.

Im Kreis der deutschen Journalisten hinterläßt Peter Boenisch eine große Lücke. Noch weit mehr werden ihn allerdings seine zwei jungen Töchter vermissen, deren Mutter tragischerweise auch schon verstorben ist.

Ernst Cramer ist Vorstandsvorsitzender der Axel Springer Stiftung.