1997, als alle glaubten, es sei eigentlich schon zu spät, gelang dem britischen Sänger plötzlich der große Wurf. "Urban Hymns", das dritte Album seiner einstigen Band The Verve, war das letzte Riesending des Britpop.
Dreizehn Jahre später jubeln dem Engländer im Postbahnhof die Fans so lautstark zu, als wäre zwischenzeitlich nichts gewesen. Als hätte er eine makellose Solokarriere hingelegt. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Zu keiner Zeit konnte der seltsame Kauz an die Klasse der Hymnen von einst anknüpfen. Davon lässt sich einer wie Ashcroft nicht entmutigen. Seine neue Band nennt er großspurig The United Nations Of Sound. Nur ist nach gut einer Stunde Konzert immer noch nicht klar, ob dahinter wirklich ein Konzept steht oder ob es nur ein Profilierungsversuch ohne Substanz ist.
An Selbstbewusstsein mangelt es Ashcroft nach wie vor nicht. "Are You Ready?" heißt das erste Stück. Er unterstützt es mit ausladenden Bühnengesten. Doch es fehlt jegliche musikalische Raffinesse. Dumpfe und monotone Rhythmen, fantasielose Basslinien, bombastische Keyboardklänge und langweilige Gitarrenakkorde begleiten den Auftritt mehr schlecht als recht. Aber Ashcroft vergisst zum Glück sein Gesamtwerk nicht und spielt auch einige der psychedelischen Soul-Stücke, die ihn bekannt gemacht haben: "Music Is Power", "Lucky Man", "Sonnet" und die unvergessene "Bittersweet Symphony". Das ist es, was die Leute wirklich hören wollen. Warum knüpft Ashcroft nicht einfach daran an?
huf

