Theater

Friedenspreis an Berliner Compagnie

Die Freude war groß, als die Nachricht gestern die Theatermacher in einem Kreuzberger Hinterhof an der Muskauer Straße erreichte: Die Berliner Compagnie erhält den Aachener Friedenspreis 2009.

- Helma Fries, künstlerische Leiterin der Schauspielergruppe, bezeichnete die Auszeichnung als "angenehmen Rückenwind". Schließlich "erfahren wir als Theater, das wider den Stachel löckt, vor allem von Konzernen viel Gegenwind". Der mit dem symbolischen Betrag von 1000 Euro dotierte Preis sei eine große Ehre für das Ensemble. Für einen neuen Lkw, den die Truppe für ihre Tourneen braucht, reicht das Geld allerdings nicht. Mit dem Aachener Friedenspreis werden Menschen ausgezeichnet, die sich vorbildlich "von unten" für Frieden einsetzen. Während das Theater auf der nationalen Ebene ausgezeichnet wird, erhält der serbische Friedensaktivist Zdravko Marjanovic den internationalen Preis, teilte der Aachener Verein gestern mit.

Die Berliner Compagnie existiert seit mittlerweile 28 Jahren. In dieser Zeit wurden 23 Stücke entwickelt und über 2000 Gastspiele in Deutschland und Europa absolviert. Letztlich ist das Theater ein Kind der Friedensbewegung, denn die drohende Stationierung amerikanischer Pershing-II-Raketen und Cruise Missiles in Deutschland hat zur Gründung geführt. Damals sammelten die Schauspieler Gerhard Fries und Jean-Theo Jost Geld für eine Anzeige in der "New York Times", die das amerikanische Volk aufrütteln sollte. "Wir wollen eine gerechtere Welt", erklärt Fries, der heute als Transsexueller den Namen Helma trägt. 1982 führte das Theater mit "Der Prozess gegen die neun von Catonsville" sein erstes Stück auf.

In Kreuzberg arbeitet das Ensemble mit wenigen Requisiten und bescheidenen finanziellen Mitteln. Ganz im Brecht'schen Sinn versteht sich die Compagnie als Aktivierungstheater. Die Stücke, die politisch aufklären sollen, enden nicht mit dem Vorhang, sondern mit einer Publikumsdiskussion, manchmal auch mit Unterschriftensammlungen, Petitionen oder sogar spontanen Demonstrationen. Die jüngste Arbeit entstand im Januar und beschäftigt sich mit der "Verteidigung Deutschlands am Hindukusch".