Der Wochenend-Tipp

Auf den Spuren des Widerstands

In Potsdam gibt es keine offizielle Tour auf den Spuren der Hitler-Attentäter um Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907-1944). Es gibt aber genügend Orte, um sich an die Männer des 20. Juli zu erinnern.

Wir beginnen unsere Tour vor der Kapelle des St.-Josefs-Krankenhauses an der Allee nach Sanssouci, Nähe Luisenplatz. Dort wurde Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg zusammen mit ihrer Tochter Konstanze von Februar bis April 1945 betreut. Wie Konstanze von Schulthess in ihrem Buch "Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg - ein Porträt" berichtet, kam ihre Mutter am 5. Februar 1945 unter dem Namen "Frau Schank" mit ihrem am 27. Januar in Frankfurt/Oder geborenen Töchterchen in das katholische Krankenhaus. Wegen des schlechten Gesundheitszustandes wurde der Säugling notgetauft. Potsdam war Station einer langen Odyssee. Nach der Erschießung ihres Mannes war die schwangere Frau festgenommen und monatelang im KZ Ravensbrück in Einzelhaft gehalten worden. Schwer erkrankt, sollte Nina von Stauffenberg nach der Geburt ihrer Tochter mit einem Gefangenentransport aus Frankfurt/Oder nach Berlin verlegt werden, der aber wegen der Luftangriffe nach Potsdam umgeleitet wurde. Gräfin Nina von Stauffenberg sagte später, sie habe selten so viel Menschlichkeit und Güte erfahren wie im St.- Josefs- Krankenhaus bei den Borromäerinnen. Von der Allee nach Sanssouci gehen wir in die Schopenhauerstraße, dann am Winzerberg vorbei, den Mühlenberg hoch und stehen vor der prächtigen Löwenvilla in der Gregor-Mendel-Straße 26. In der Villa wurden Teile für den Film "Walküre" mit Tom Cruise als Hauptdarsteller gedreht.

Wo die Bombe der Attentäter versteckt war

In dem Gebäude hielt Oberstleutnant Fritz von der Lancken die Bombe für das Hitler-Attentat in der Wolfsschanze versteckt. Von der Lancken wurde nach dem gescheiterten Attentat in Plötzensee hingerichtet. Am Ende der Gregor-Mendel-Straße biegen wir links in die Jägerallee, sehen rechts die erst jüngst restaurierte ehemalige Unteroffiziersschule (heute Justizzentrum), gehen die Helene-Lange-Straße entlang und kreuzen die Friedrich-Ebert-Straße. Rechterhand schauen wir auf das pompöse Gebäude der Stadtverwaltung Potsdam. Auch das ein Ort, den Stauffenberg besucht hat, so weiß Stadthistoriker Hartmut Knitter. Hier befand sich die Dienstwohnung des Regierungspräsidenten und Reichskanzler-Enkels Gottfried von Bismarck-Schönhausen, der mit den Widerständlern sympathisierte. Ganz in der Nähe, im Helmholtz-Gymnasium an der Hegelallee, ging Albrecht Mertz von Quirnheim zur Schule. Quirnheim war als Stabschef des Heeresamtes im Bendlerblock maßgeblich daran beteiligt, dass der Operationsplan "Walküre" überhaupt in Gang gesetzt wurde. Am Abend des 20. Juli wurde Quirnheim mit Stauffenberg im Bendlerblock erschossen.

Umsturzpläne im Haus Mangerstraße 26

Über die Behlertstraße gehen wir in die Straße am Neuen Garten und erblicken vor uns an der Ecke zur Mangerstraße den Backsteinbau der einstigen Gardes-du-Corps-Kaserne. 1930 weilte Stauffenberg hier, als er auf dem weitläufigen Areal zu einem Minenwerferlehrgang abkommandiert worden war. Wir gehen die Mangerstraße fast bis zum Ende und bleiben vor der Nr. 26 stehen. Hier wohnte Oberleutnant Helmut von Gottberg, der zum Kreis der Widerstandskämpfer gegen Hitler gehörte. Schon im November 1943 bastelte er in seiner dortigen Wohnung gemeinsam mit Axel Freiherr von dem Bussche-Streithorst einen Sprengsatz, mit dem von dem Bussche Hitler und sich selbst in die Luft sprengen wollte. Zu dem Attentat kam es jedoch nicht, da die Sprengladung bei einem Luftangriff auf Berlin vorzeitig vernichtet wurde.

Über die Berliner Straße, vorbei an zahlreichen Kasernenanlagen, kommen wir über die Straße am Kanal und die Friedrich-Ebert-Straße gegenüber dem Filmmuseum in die Henning-von-Tresckow-Straße. Die Kaserne des Infanterieregimentes 9 galt als Hort des Widerstandes. Seine Bezeichnung "Graf 9" erhielt das Regiment wegen der hohen Anzahl von Adeligen, die hier dienten.

Dazu gehörte auch Henning von Tresckow, der kurze Zeit gegenüber seine Wohnung hatte. Er nahm sich kurz nach dem missglückten Attentat das Leben. Heute beherbergt der Komplex u.a. das Brandenburgische Infrastrukturministerium. Im Erdgeschoß ist wochentags die Ausstellung "Potsdam und der 20. Juli" zu sehen. Über Breite Straße sowie Dortu- und Charlottenstraße kommen wir wieder zurück zum Ausgangspunkt am Luisenplatz.