Kelis ist im Moment ein hippes Ding. Eben nahm sie mit Björk eine Version von deren Olympia-Song "Oceania" auf, sonst lässt sie sich gern in goldenen, höchst knappen Badeanzügen ablichten. Dann das: Letzte Woche durften bei dem Konzert der R&B-Sängerin in London ein paar Fans in den Backstage-Bereich, um Autogramme zu ergattern. Zuvor sollten sie aber erst mal 15 Euro an den Leibwächter abdrücken. Ob so eine Praktik fair ist oder nicht, bei ihrem Auftritt in der Columbiahalle ließ sich Kelis genauso wenig lumpen und stand ganze 45 Minuten auf der Bühne. Bei immerhin 30 Euro Eintritt und einer nur halb vollen Halle. Da half auch nicht die fade Darbietung der deutschen R-&-B-Frau Valezka als Vorband. Die recycelte abgeschmackte Parolen und sang "Ich bin ein material girl" und "Neue Männer braucht das Land". Ihr folgte ein Anheizer-MC und DJ, der zur Stimmungsmache Medleys anspielte und die Zuschauer mit Zurufen anfeuerte. Vielleicht um ein wenig Zeit zu schinden. Bis sie endlich die Bühne betrat: Kelis, die im modischen Adidas-Oberteil zwischen den Bühnenmusikern hin- und hertänzelte, um mit ihrer warmen Soul-Stimme alles wieder wettzumachen. Die 24-Jährige aus Harlem sitzt mit ihrem ausgefeilten Pop zwischen den Stühlen R&B und souliger Funk, garniert mit elektronischen Einflüssen.

Auf der Bühne geraten ihre Hits zu krachigen Rocknummern, später zu jazzig Angehauchtem, perfekt gespielt und fast ausnahmslos von ihrem aktuellen Album "Tasty". Da gucken die Zuschauer erst, als haben sie auf die abgemischten Glattheiten der CD gewartet. Vom Wiedererkennungseffekt der Hits lassen sie sich aber dann doch überzeugen.

Verena Dauerer