Bei Krissie Illing wird die Queen zum Go-Go-Girl

Niemand kommt auf die Idee, ein Blind Date wörtlich zu nehmen und ein blindes Treffen daraus zu machen. Außer Wilma! Ohne ihr mörderisches Kassengestell die Kurzsichtigkeit in Person, trainiert sie jeden Gang vorm Rendezvous und eckt anschließend doch überall an. Mit fatalen Folgen für ihren Mr. Wonderful, der im wirklichen Leben Einar heißt, und den sie sich nach einem beinharten Blitz-Casting aus dem Publikum gepickt hat. Wer sich aber in Wilmas unmittelbare Nähe wagt, gar ein Glas Wein mit ihr trinkt oder ein Tänzchen aufs Parkett legt, der sollte die Police seiner Unfallversicherung unbedingt direkt am Körper tragen.

Wilma darf sich einfach alles erlauben, denn Wilma ist grandios. Die Lady ist nämlich ein Tölpel aus dem Narrenbilderbuch! Akustisch und optisch der absolute Overkill: Das wiehernde Lachen passt phänomenal zum Gebiss, während ihr Humana-Outfit bestens mit der festbetonierten Wischmopfrisur harmoniert. Eine Erscheinung, erschaffen und verkörpert von der wunderbaren Krissie Illing, einst die bessere Hälfte des legendären britischen Comedy-Duos Nickelodeon.

Nachdem Krissie Illing bereits im vergangenen Jahr die Herzen des Berliner Publikums beim Kleinkunstfestival der Wühlmäuse erobert hat und dafür mit dem Berlin-Preis ausgezeichnet wurde, setzt sie ihren Siegeszug nun mit ihrer Highlight-Sketchrevue "Wilma's Jubilee" in der Ufa Fabrik fort. Und sie zeigt höchst eindrucksvoll, warum sie eine der wenigen weiblichen Lichtgestalten in der von Männern dominierten Comedy-Branche ist: Ihr Mut zur Hässlichkeit, gepaart mit dümmlich-koketter Mimik, ist bravourös.

Krissie Illings Wilma plaudert fast ausschließlich auf Englisch, doch ihre visuelle, stets ins Absurde abdrehende Sprache ist universell. Etwa, wenn sie sich in Queen Elisabeth verwandelt, huldvoll zur Nationalhymne winkt, plötzlich zur Musik ausflippt und strippt. Das Diadem sitzt, die Perlenkette swingt, die Queen rockt. Und der Saal tobt.

Ufa Fabrik, Viktoriastr. 10-18, Tempelhof. Tel.: 75 50 30. Bis 25. 9., Di - Do, 20.30 Uhr.

Ulrike Borowczyk