Argon klappt die Buchdeckel zu

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Iris Alanyali

Berlin ist um einen weiteren Traditionsverlag ärmer: Gestern kündigte der S. Fischer Verlag in Frankfurt an, ab dem 1. Januar 2005 keine neuen Bücher mehr unter dem Label Argon Verlag zu veröffentlichen. Im Juni erst hatte Fischer den Berliner Nicolai Verlag an den Unternehmer Andreas von Stedman verkauft. Der Grund: Das immer schwieriger werdende Einkaufsverhalten des Buchhandels fordere von den Verlagen eine stärkere Konzentration, so Programm-Geschäftsführer Peter Lohmann. Der besseren Übersichtlichkeit halber also will sich das zur Stuttgarter Holtzbrinck-Gruppe gehörende Haus S. Fischer auf seine drei Kernverlage konzentrieren: S. Fischer selbst ist für die Belletristik zuständig, der Scherz Verlag für populäre Sachbücher und Ratgeber und der Krüger Verlag für so genannte Frauenromane.

Bei Argon erschienen Sachbücher und Romane der leichteren Art, und insbesondere seit S. Fischer Anfang des vergangenen Jahres den Scherz Verlag übernahm, sei es "zu einigen Programmüberschneidungen" mit Argon gekommen, so Lohmann. Und außerdem verursache ein Extra-Haus in Berlin "natürlich auch mehr Kosten". Zwar ist bisher niemandem bei Argon in der Neuenburger Straße in Kreuzberg gekündigt worden, aber wer nicht nach Frankfurt umziehen will, muss sich wohl einen anderen Job suchen. Auch die Autoren werden auf die drei restlichen Fischer-Verlage verteilt. Bisher veröffentlichten zum Beispiel der Schriftsteller Daniel Bielenstein ("Max und Isabelle") und Bestseller-Autor Werner Fuld ("Die Bildungslüge") bei Argon, auch Florian Illies' "Generation Golf" erschien hier.

Mit der Einstellung nimmt eine wechselhafte Verlagsgeschichte ihr Ende: Gegründet wird Argon 1952 als Tochter des "Tagesspiegels", der Verlag versorgt die desillusionierten Berliner mit schmachtenden Liebesromanen und den tröstlichen traditionellen Werten aus der Feder selbstbewusster Adeliger wie Prinz Louis Ferdinands "Als Kaiserenkel durch die Welt". Mitte der Achtziger wird Argon als Berliner Kulturverlag reaktiviert, das Werk des Theaterkritikers Alfred Kerrs erscheint. 1995 übernimmt Holtzbrinck Argon zusammen mit der Nicolaischen Verlagsbuchhandlung; es erscheinen Berlinbücher, deren Schwerpunkt mit Bildbänden und Stadtführern vor allem auf dem Service liegt. Unter dem Dach von S. Fischer verliert der Verlag ab 1998 seinen Berlin-Bezug - und damit auch sein Profil.

Aber vielleicht verschwindet der Name nicht ganz aus dem Berliner Stadtleben: Das Ende eines Verlags Argon sei zwar "definitiv", hieß es gestern in Frankfurt, aber es gebe "gewisse Planungen", über die man jetzt noch nichts sagen könne - Sehr geheimnisvoll. Zurzeit sind ja Berliner Zeitgeist-Magazine in Mode - wer weiß, vielleicht gibt es bald "Argonaut", mit Artikeln eines neuen Geistesadels, der dem desillusionierten Berlin Trost spendet.