Bernard Haitink wirft Dresden Rufschädigung vor

Der vorzeitig zurückgetretene Dirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden, Bernard Haitink, hat Rufschädigung und das angeblich fragwürdige Verfahren zur Wahl seines Nachfolgers Fabio Luisi als Grund für seine Entscheidung genannt. In einer gestern verbreiteten Erklärung äußerte er sich erstmals persönlich zu seinem Rücktritt.

"Ich bin außerordentlich traurig und enttäuscht, dass meine Beziehung zu diesem Orchester (...) nun auf diese Weise zu Ende geht", schrieb der 75-Jährige, der ursprünglich bis 2006 bleiben wollte. Haitink hatte am vergangenen Montag seinen Rücktritt zum Sommer 2005 angekündigt.

Wie Haitink in seiner Erklärung ausführt, seien nach der angeblichen Dreiviertelmehrheit im Orchester für Luisi Musiker zu ihm gekommen, die sich gegen den Wahlmodus und gegen Luisi ausgesprochen hätten. Luisi habe das Orchester noch nie mit einem sinfonischen Programm dirigiert. Auch habe sich herausgestellt, dass nicht einmal die Hälfte des Orchesters für Luisi gestimmt habe. Deshalb habe er, Haitink, für eine neue Abstimmung plädiert, wobei er eine "saubere" Wahl Luisis "sofort" akzeptiert hätte. "Dies wurde durch den Minister, den Intendanten und den Vorstand verhindert."

Kunstminister Matthias Rößler (CDU) und Semperoper-Intendant Gerd Uecker seien bis zur Klärung um Stillschweigen gebeten worden. Sie hätten vor der Presse jedoch die Verpflichtung des Italieners als Generalmusikdirektor der Staatsoper ab 2007 bekräftigt und damit Haitinks Ansehen untergraben. Die Staatskapelle hatte am Mittwoch Vorwürfe der Unrechtmäßigkeit bei der Wahl zurückgewiesen. dpa