Fury In The Slaughterhouse gelten als phänomenale Live-Band. Jetzt veröffentlichten die Niedersachsen ihr zehntes Studioalbum: melodische Rockmusik der handgestrickten Art. Am kommenden Montag stellen sie "Nimby" in der Columbiahalle vor.

Seit Punk den Glamrock in den siebziger Jahren verdrängte, sind die großen Gesten aus der Popmusik verschwunden. Tonangebend ist heute das andere Extrem: die so genannten Shoegazer-Bands, die so heißen, weil sie bei den Konzerten ihrem Schwermut freien Lauf lassen und ständig auf den Boden starren. Dass sich auch zwischen diesen Polen noch etwas bewegt, beweist die Gruppe Fury In The Slaughterhouse aus Hannover.

Trotz des grobschlächtigen Namens riecht es nicht nach Bratwurst und Wagenschmiere. Tatsächlich beherrscht die Band um die Wingenfelder-Brüder Kai und Thorsten die hohe Kunst des Songschreibens. Mit "Nimby", dem mittlerweile zehnten Studioalbum, will man jetzt zurück zu den Ursprüngen: Alle Stücke wurden live eingespielt, keine Overdubs, kaum Experimente. Die Band hat sich sogar erstmals selbst produziert. Der Kontrast zum Weichspül-Sound der letzten CD "The Color Fury" könnte kaum größer sein.

Ein umgebauter Bauernhof von 1936 an der deutsch-dänischen Grenze. Hier hat Frontmann Kai mittlerweile seinen Lebensmittelpunkt gefunden. Auch das Fury-Studio steht mitten in der Pampa. Diese Einsamkeit, getränkt mit norddeutscher Melancholie, klingt in den neuen Liedern durch. "Good Bye So Long" ist bestes Beispiel für eine geradezu perfekte Hookline. "War Song" hingegen greift das Thema Gewalt in der Schule auf. "Meine Tochter ist 13, daher kriege ich ganz gut mit, was an den Schulen derzeit abläuft. Die meisten Eltern kümmert das überhaupt nicht, und viele Lehrer kommen gegen die Kids nicht mehr an", sagt Wingenfelder.

Die Themen der Furys waren schon immer eine Spur ernster. Pathos ist ein Markenzeichen ihrer Musik. Von den deutschen Kritikern wurden die Musiker deshalb wenig geschätzt und als Spaßbremsen gescholten. Sie mussten erst nach Amerika gehen, um auf Anerkennung zu stoßen. "Die beste irische Band seit U2", zeigte sich ein US-Journalist begeistert. Und von der University Of California bekam Fury In The Slaughterhouse einen Ehrenpreis für sozialkritisches Engagement und hervorragende Texte verliehen.

Mit ihrer Konsequenz haben sich die Furys in eine Zeit hinübergerettet, in der provokante Selbstdarstellung mehr honoriert wird als gekonntes Songwriting. Während so manche etablierte Band aus den achtziger Jahren allmählich den Boden unter den Füßen verliert, läuft der Backkatalog der Furys immer noch hervorragend. Mehr als vier Millionen verkaufte Platten gehen auf das Konto der Gruppe.

"Uns geht es gut", gibt Kai Wingenfelder unumwunden zu. Der 44-Jährige mit dem kahl rasierten Charakterkopf hat das Grübeln längst aufgegeben. "Wir machen einfach das, was wir am besten können: Songs schreiben, Platten aufnehmen, Konzerte spielen."

Und Wingenfelder hat sich die Förderung des Nachwuchses auf die Fahnen geschrieben. "Es gibt unheimlich viele Talente, um die sich niemand kümmert. Denen stelle ich mich als Produzent und Toningenieur zur Verfügung. Das macht Spaß, weil die jungen Bands noch begeisterungsfähig sind." Dann ist da noch der Traum von einem deutschsprachigen Album. Allerdings nicht mit Fury In The Slaughterhouse. "Als wir 1986 anfingen, hat kaum eine Rockband Deutsch gesungen", sagt Wingenfelder. "Heute ist das natürlich anders. Mit Fury verspüren wir aber keine Lust, unser Fähnchen in den Wind zu hängen. Wir bleiben lieber bei unseren Wurzeln. Da ich aber gern vor mich hin muckele, schreibe ich auch deutsche Songs."

Fury In The Slaughterhouse: Nimby (SPV). Konzert: 10. 5., Columbiahalle, 20.30 Uhr.